Vor ziemlich genau sieben Jahren, während ich an der Herausgabe des Werkverzeichnisses von Ernst Oldenburg mitwirken durfte, nahm ich die günstige Gelegenheit wahr, einige Tage im Haus des expressionistischen Künstlers in Unna Kessebüren zu wohnen. Dieser Aufenthalt brachte nicht nur den geplanten Text über das Spätwerk des 1992 verstorbenen Künstlers hervor, sondern bescherte mir neben zahlreichen Gedichten auch eine Reihe ansehnlicher Fotos aus dem ehemaligen Atelier und jetzigen Museum.

Das ursprünglich als Dorfschule gebaute Haus in Kessebüren diente dem Maler, Bildhauer, Grafiker und Zeichner seit den 1960er Jahren als Lebens- und Schaffensmittelpunkt. Ganz zweifellos entstanden hier, in der ländlichen Abgeschiedenheit Westfalens, die wichtigsten Werke Ernst Oldenburgs, und ein Großteil davon ist hier auch heute noch zu besichtigen.

Fotografiert habe ich mit der Canon Canonet QL17 GIII auf Konica Centuria 400 und Polaroid HD 200 Farbnegativfilm, beides nicht unbedingt Spitzenfilme und schon damals Auslaufmodelle zu Schnäppchenpreisen, aber mit einer sehr schönen Farbcharakteristik. Gescannt habe ich lediglich die Abzüge.

Leider ist das Werk Ernst Oldenburgs auch heute noch kaum bekannt. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass er während seiner produktivsten Schaffensperiode in den 1960er bis 1980er Jahren der figürlichen Gestaltung treu blieb, sich dem Sog zunehmender Abstraktion entzog und derart – um es mit Nietzsche auszudrücken – unzeitgemäß wurde.

Am meisten faszinierte mich damals die regelrechte Unberührtheit des Hauses. Obwohl ein Teil als Wohnraum genutzt wurde und trotz regelmäßiger Veranstaltungen der Ernst Oldenburg Gesellschaft e.V., machte das Atelier auf mich den Eindruck, als wäre Oldenburg nur mal kurz eben zur Tür hinausgegangen. Alles lag zur Arbeit bereit: die Pinsel, Farben, Malmittel – die frischen Spuren eines Lebenden.

Wer mehr über Leben und Werk Ernst Oldenburgs erfahren möchte, sollte zuerst die offizielle Website mit dem Titel Oldenburg-Museum besuchen. Hier findet man nicht nur eine kleine Auswahl der mehr als 1500 Werke, sondern erhält weiterführende Informationen und Adressen. Aus eigener Erfahrung kann ich natürlich sagen, dass sich ein Besuch im Ernst Oldenburg Haus lohnt. Das Werkverzeichnis ist im Buchhandel oder direkt über das Museum erhältlich.

Bei Gelegenheit lasse ich einen zweiten Teil der Fotoserie folgen. Dieser wird ganz in schwarzweiß gehalten sein.

  One Response to “Zu Besuch bei Ernst Oldenburg – Teil 1”

  1. Schön beschrieben – und sehr schöne Bilder mit der Canonet.

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