Erfahrungsbericht: Panasonic LX3

Die Panasonic LX3 ist klein, sie sieht gut aus und sie ist (fast) immer dabei – aber macht sie auch gute Bilder? Sie genießt zumindest einen recht guten Ruf, der sich zum größten Teil dem verbautem Objektiv verdanken dürfte: einem Leica DC Vario-Summicron mit einer Anfangsblende von 2.0 und einer Anfangsbrennweite von 24mm (entsprechend Kleinbild).

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Die Panasonic LX3 in silber: schlicht und schön.

Nun kann man von einem in einer Panasonic Kompaktkamera verbauten Objektiv sicherlich keine Leica-Magie erwarten, das wäre angesichts des moderaten Preises geradezu absurd, aber man hofft doch auf einen soliden Performer ohne allzu großen Schwächen.

Das ist auch der Grund, warum ich mir eine LX3 gekauft habe. Ich wollte eine Kamera, die bequem und zuverlässig brauchbare Ergebnisse liefert, natürlich vor allem mit Blick auf die 24mm, denn das ist, offen gesagt, das Weitwinkeligste, was meine Ausrüstung derzeit zu bieten hat. Das ist insofern erstaunlich, als ich mich mal für einen regelrechten Weitwinkel-Freak gehalten habe. Doch inzwischen hat sich das relativiert. Meine wirklich zahlreichen, bis 12mm reichenden Weitwinkel-Linsen habe ich längst verkauft, und heute empfinde ich 24mm fast schon als extrem.

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Die Kombination von 24mm Brennweite und 16:9 Format bietet sich für weite Landschaftsaufnahmen geradezu an.

Für gewöhnlich wechsle ich beim Fotografieren nicht das Bildformat. Meist bleibe ich aus alter Kleinbild-Gewohnheit beim klassischen 3:2. Nun, bei welcher Kamera kann man das Bildformat auch schon per Schalter wechseln, ohne in irgendwelchen Menüs suchen zu müssen? Bei der LX3 befindet sich ein solcher Schalter beinahe aufdringlich sichtbar auf der Oberseite des Objektivs und lädt förmlich zu Betätigung ein. Bisher war mir 16:9 überhaupt noch nie inden Sinn gekommen.

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Ein kleiner Schalter sorgt dafür, dass man wie selbstverständlich die Bildformate wechselt. Ober man bleibt gleich bei 16:9.

Im Grunde wäre es schon genug, wenn die Lx3 ihre 24mm als Festbrennweite anbieten würde, denn selbst damit wäre sie einigermaßen konkurrenzlos. Und es ist wirklich so, dass der zusätzliche Zoombereich bis 60mm Kleinbild zumindest von mir bisher recht stiefmütterlich behandelt wurde.

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Die Einsamkeit weiter Landschaften. Hier eingefangen mit 1/1000s bei Blende 5.6 und ISO 80.

Die Frage ist, ob die LX3 überhaupt etwas anderes kann. Wie wäre es z.B. mit Portraits? Hier macht sich neben der für Portraits etwas zu kurzen Endbrennweite von 60mm eine weitere Beschränkung bemerkbar, von der typbedingt alle Kompaktkameras mit kleinem Sensor betroffen sind: die Unfähigkeit, ein Motiv wirklich freizustellen, weil die verhältnismäßig große Schärfentiefe den Hintergrund niemals wirklich verschwimmen lässt. So kozentriert sich gerade bei Portraits der Blick des Betrachters nur mühsam auf das eigentliche Motiv.

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Portrait mit der LX3. Trotz Blende 2.8 bei 60mm Brennweite ist der Hintergrund fast so scharf wie das Hauptmotiv.

Was das Vario-Summicron in mehr als ausreichendem Maße liefert, ist Schärfe. Unabhängig von der Brennweite sind die Bilder selbst bei Offenblende gestochen scharf. Vignettierung und Verzeichnung sind völlig unproblematisch (oder auch sehr gut per Software korrigiert). Die Leica-Linse macht ihrem Namen alle Ehre.

Dass Panasonic eine sehr gute Kamera um ein sehr gutes Objektiv herum gebaut hat, versteht sich beinahe von selbst. Die Besonderheitder LX3 besteht darin, dass der Sensor mit 1/1,63″ für eine Kompaktkamera vergleichsweise groß und dennoch auf nur 10,1 Megapixel beschränkt ist. Davon verspricht Panasonic sich neben einem größeren Kontrastumfang vor allem ein verbessertes Rauschverhalten.

Nun darf man von einer Kompaktkamera keine Wunder erwarten, aber die LX3 leistet mit ihrer Kombination von Sensorgröße, Pixeldichte und lichtstarkem Objektiv tatsächlich Erstaunliches.

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Innenraum der Basilika St. Margareta in Düsseldorf. Aufgenommen mit 24mm Brennweite bei 1/25s, Blende 2.0 und ISO 400.

Bei einer Vergrößerung auf 100% am Bildschirm erkennt man natürlich die Arbeit der Rauschunterdrückung, aber insgesamt muss man anerkennen, dass Panasonic ein guter Kompromiss aus Rauschunterdrückung und Detailschärfe gelingt. Im Druck ist das Ergebnis ohne Einschränkung zu gebrauchen. Die Grenze der Brauchbarkeit sehe ich bei ISO 800.

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100% Crop. Sichtbare Arbeit der Rauschunterdrückung. Dennoch bleiben entscheidendeDetails erkennbar.

Mit dieser Leistung ist die LX3 eine der wenigen digitalen Kompaktkameras, die für Available Light Fotografie prädestiniert sind. Auch bei weniger günstigen Lichtbedingungen gelingen ihr durchweg gute Bilder, begünstigt sicherlich auch durch den bewährten Mega O.I.S. Bildstabilisator, der Unschärfen, die durch Verwackelung der Kamera entstehen, reduziert und somit längere Verschlusszeiten frei Hand ermöglicht.

Die LX3 ist darüber hinaus mit mehr oder weniger nützlichen Features vollgepackt, deren Aufzählung ich mir an dieser Stelle sparen möchte. Nur so viel, dass die LX3 durch diverse Automatikfunktionen für fotografische Laien geeignet ist, aber zugleich die Option bietet, die meisten Funktionen manuell einzustellen, was dem anspruchsvolleren Fotografen entgegen kommen dürfte. Darüber hinaus kann die Kamera individuellen Vorlieben weitgehend angepasst werden und bietet mit diversen Filmmodi auch notorischen Bildbearbeitungsmuffeln kreativen Spielraum.

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Friedhofskapelle. Der Filmmodus „Schwarz/Weiß dynamisch“ liefert die gelungene Simulation eines S/W-Films.

Unterm Strich ist die Panasonic LX3 eine rundum gelungene Kamera, die es verdient, bei jeder Gelegenheit dabei zu sein. Als einzige Beschränkung kann man die längste Brennweite von 60mm Kleinbild auffassen, das kompensiert die LX3 jedoch unten herum mit starkem 24mm Weitwinkel und hervorragender Lichtstärke.

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Basilika St. Margareta Düsseldorf. 24mm bringen es aufs Bild.

Die Bildqualität ist sehr gut, für eine kleine Kompaktkamera sogar ausgezeichnet. Hier ist das Zusammenspiel von Objektiv, Sensor und Software perfekt abgestimmt. Wer mehr will, muss definitiv zu einer größeren Kamera greifen.

Bei mir dient die LX3 vor allem als Zweitkamera mit Schwerpunkt auf Weitwinkel. Eine zweite Kamera vom Format einer LX3 mitzunehmen, ist im Endeffekt bequemer als ein zusätzliches Wechselobjektiv mit vergleichbarer Brennweite.

Obwohl die LX3 als Modell nun schon zwei Jahre auf dem Buckel hat, gehört sie in der schnelllebigen Welt der Digitalfotografie keineswegs zum alten Eisen. In Sachen Bildqualität hat ihr noch keine andere Kompaktkamera (Systemkameras wie die Panasonic GF1 oder Olympus E-P1 lasse ich außen vor) den Rang abgelaufen, und auch Gerüchte über ein Nachfolgemodell lassen die LX3 noch lange nicht alt aussehen.

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