Geschenk des flüchtigen Augenblicks

Bilder, die man nicht geplant hat, sind nicht immer die besten oder schönsten, aber vielleicht doch die glücklichsten. Man denkt überhaupt nicht ans Fotografieren, es geschieht ganz nebenbei, fast widerwillig. Und doch. Ein solches Bild ist mir neulich geglückt, als ich versuchte, meine Olympus E-P1 mit einem Displayschutz zu versehen.

Um diesen ordentlich ausrichten zu können, brauchte ich ein beleuchtetes, also eingeschaltetes Display, mit irgendeinem Foto darauf. Die Speicherkarte war leer, darum wollte ich schnell ein neues Foto machen, und wie es der Zufall wollte, stand gerade mein zweijähriger Sohn neben mir und sah mir bei meinem merkwürdigen Treiben zu. Also nicht lang gezögert, sondern abgedrückt.

Portrait Joris (Raw-Datei)
Portrait Joris (Raw-Datei)

Aber das ist nur die halbe Geschichte. Denn das ursprünglich als JPEG von der Kamera erzeugt Bild sah folgendermaßen aus.

Portrait Joris (Kamer-JPEG)
Portrait Joris (Kamera-JPEG)

Nun könnte man meinen, das erste Bild sei eben stark bearbeitet worden: Tonwertkurve, Kontrast, Farbsättigung usw. Dem ist aber nicht so, denn es handelt sich um die nicht nennenswert veränderte RAW-Ausgabe der Kamera. Die Bearbeitung hat also mit dem zweiten Bild stattgefunden, und zwar in der Kamera.

Während das erste Foto mit kräftigen Schatten protzt, die dem Bild eine erfreuliche Tiefe verleihen, verfügt das zweite Foto über die typische HDR-Anmutung: aufgehellte, durchgezeichnete Schatten (im Original auch am erhöhten Rauschen zu erkennen), aber dadurch auch eine leicht verzerrte Perspektive. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber auf dem zweiten Foto stimmt die Wirkung der Augen nicht mehr. Das ist keineswegs messbar, es hat nur den (falschen) Anschein.

Zum Glück war die Kamera auf gleichzeitige Aufnahme von RAW und JPEG eingestellt. Des Rätsels Lösung liegt vermutlich in der Voreinstellung der Gradation. Hier sorgte die Option „Auto“ für die aufgehellten Schattenpartien und den insgesamt reduzierten Kontrast. Diese vermeintliche Erweiterung des dynamischen Bereichs ist eben nicht immer angebracht.

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