Wild Flowers – Makros mit der Panasonic LX3

Ich bin nicht der typische Makro-Shooter. Ich muss einer Stubenfliege nicht in die Augen sehen. Auch um die Blütenblätter eines Gänseblümchens zu zählen, muss ich es nicht fotografisch aufblähen. Extreme Vergrößerungen waren für mich immer dann interessant, wenn sie die Grenze zur Abstraktion überschritten. Da allerdings liegt ein enormes kreatives Potenzial zur Hand, und viele Fotografen leisten in diesem Bereich wirklich Erstaunliches.

Früher – das heißt zur Zeit analoger Fotografie – war zur Realisierung halbwegs ansehnlicher Makrofotografie ein aufwändiges und entsprechend kostspieliges Instrumentarium nötig: Spezialobjektive, Balgengeräte, Nahlinsen – die Makrofotografie blieb Profis und ambitionierten Hobbyfotografen vorbehalten. Mit dem Siegeszug der digitalen Fotografie wurde dieses Privileg regelrecht proletarisiert.

Konstruktionsbedingt verfügt heute selbst die bescheidenste digitale Kompaktkamera über einen Makromodus, der es ohne zusätzliche Gerätschaften und sonstigen Aufwand ermöglicht, in die Welt der Makrofotografie einzusteigen – noch dazu mit ansehnlichen Ergebnissen.

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Die noch geschlossene Blüte einer Gelben Schwertlilie. Panasonic LX3 mit Blende 2.0 und 1/125s bei ISO 100.

In meinem Erfahrungsbericht über die LX3 habe ich die Makrofotografie mit keinem Wort erwähnt. Das geschah durchaus absichtlich, um den Artikel nicht unnötig in die Länge zu ziehen – schließlich ging es mir nicht um einen vollständigen und umfassenden Test. Aber nun dachte ich mir, es könne nicht schaden, wenigstens einige Makroaufnahmen als Ergänzung nachzutragen. Und was eignet sich dazu im Frühjahr besser als einige Wildblüten, die nun an allen Ecken und Enden zum Licht streben.

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Allium aflatum. Eine typische Lauchblüte. Wohl nicht ganz wild, aber sie wächst immerhin in unserem wilden Garten. Blende 2.0 und 1/1000s bei ISO 400.

Sehr hilfreich im Umgang mit der LX3 ist die Zugänglichkeit diverser Einstellungen ohne Rückgriff auf das Menü. So auch der Makromodus, der über einen Schalter direkt am Objektiv aktiviert wird. einfacher geht es nicht. Man betätigt also nur diesen Schalter, und schon ist die Kamera in der Lage, auch unterhalb von 50cm zu fokussieren, und zwar bis zu einer Naheinstellgrenze von 1cm.

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Die eher unscheinbare Blüte des Spitzwegerichs. Blende 2.0, 1/125s bei ISO 100.

Um einen ordentlichen Vergrößerungsmaßstab zu erreichen, muss man sich dem Motiv auch ordentlich annähern. Das macht den Makromodus einer digitalen Kompaktkamera nur bedingt tauglich für die Aufnahme scheuer Kleinstlebewesen, die im Idealfall fliehen, bevor man sie versehentlich mit der Frontlinse anstupst.

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Eine Blume läuft nicht weg. Hier die obligatorische Butterblume. Blende 2.0, 1/1000s bei ISO 80.

Die Panasonic LX3 verfügt bekanntlich über einen optischen Bildstabilisator, der es zumindest theoretisch erleichtert, verwacklungsfreie Bilder auch bei längeren Belichtungszeiten aufzunehmen. Im allgemeinen Gebrauch funktioniert das auch ganz passabel. Die Frage stellt sich natürlich, ob dies auch bei Makroaufnahmen von Vorteil sein kann. Ich würde sagen: nein. Für ernsthafte Makrofotografie empfiehlt sich grundsätzlich die Verwendung eines Stativs. Nun widerspricht das sicherlich der typischen Anwendung einer Kompaktkamera, doch man kann eben auch im digitalen Zeitalter der Fotografie keine optischen Wunder erwarten.

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Kleines, knubbeliges Etwas: die Blüte der Pimpinelle, auch Blutströpfchen, Kleiner Wiesenknopf oder sonstwie genannt. Blende 2.0, 1/320s bei ISO 400.

Persönliches Fazit: Der Makromodus der Panasonic LX3 ist für nicht allzu spezielle Anwendungen sehr gut geeignet. Das lichtstarke Leica Vario-Summicron bietet auch bei Nahaufnahmen exzellente Abbildungsqualität ohne störende Verzeichnungen. Gerade auch mit Offenblende gelingt es, das Motiv sehr schön aus seiner Umgebung zu lösen, wodurch der typische und angenehme Verfremdungseffekt von Makrofotos entsteht. Nur über eines muss man sich im Klaren sein. Die bequemen Möglichkeiten digitaler Kompaktkameras haben zu einem echten Makro-Boom in der Hobbyfotografie geführt, man sehe sich nur in diversen Fotoforen um: jeder, wirklich jeder fotografiert nun seine Blümchen und Insekten. Deshalb sollte man sich ruhig zu mehr Kreativität hinreißen lassen, als ich es in diesem Artikel getan habe. Das technische Potenzial ist vorhanden.

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Phacelia oder auch Bienenweide. Blende 2.0, 1/250s bei ISO 80.

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