Wo ich lebe (Oberhausen Holten) – Teil 1

Wo ich lebe, das ist jener Ort, der niemals genau zu bezeichnen ist. Niemand außer mir kennt diesen Ort, aber sobald ich ihn zeigen will, muss ich ihn verlassen. Rede ich davon, beginnt, wo ich lebe, die Fremde. Fotografiere ich ihn, halte ich nichts als meine Abwesenheit fest. Die Fotografie lässt meine Gegenwart verschwinden.

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In Wirklichkeit ist es weniger dramatisch. Es ist alltäglich, fast banal. Ich lebe in Holten, einem kleinen Stadtteil von Oberhausen, mitten im Ruhrgebiet. Ich wohne hier, seit nunmehr fünf Jahren, und immer wieder kommt es vor, dass ich in der Fremde erwache. Bin ich selbst mir fremd, oder ist es dieser Ort, der so unbedeutend ist wie ein Schrei am Rande eines Abgrunds?

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Dieses Gefühl, dort, wo ich lebe, fremd zu sein, brachte mich auf den Gedanken, diesen Ort fotografisch zu erkunden. Nichts liegt näher, sollte man meinen, und doch ist nichts schwieriger. Der Ort Holten ist alles andere als fotogen. Die Art und Weise, wie dieser Ort sich dem Zugriff der Kamera entzieht, hat etwas Unwirkliches. Letztlich besteht gerade darin die Herausforderung: dieses Unwirkliche ins Bildhafte zu retten.

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Ein Missverständnis wäre es, diesen kleinen Artikel mit seiner Handvoll Fotos für das eigentliche Projekt zu halten. Hier handelt es sich eher um einen Appetizer: mir selbst muss ich das Projekt erst schmackhaft machen. Ich muss ein wenig davon preisgeben, um es überhaupt auf den Weg zu bringen. Das Projekt hat noch keinen Namen, keine Form. Ich könnte es mir als Buch vorstellen: als Fremdenführer.

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Vielleicht nicht ohne Grund muss ich dabei an den Film Stalker von Andrej Tarkowskij denken. Ich führe den Leser und Betrachter in die verbotene Zone, auf der Suche nach jenem geheimnisvollen Raum, der die sehnlichsten Wünsche in Erfüllung gehen lässt.

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Doch das ist alles nur heiße Luft oder vielmehr ein lauwarmes Lüftchen. Vielleicht sind die technischen Aspekte der hier gezeigten Fotos interessanter. Wichtig war mir, das Ganze klassisch, also auf Film, zu fotografieren. Ich habe den vagen Eindruck, dass ich, was mir vorschwebt, digital nur unzureichend umsetzen kann. Natürlich sind die Bilder hier digitalisiert, das ist als Konzession an das gegebene Medium unabdingbar, aber sie entstanden zunächst als Lichtreflex auf dem verwendeten Filmmaterial – das macht den fotografischen Prozess greifbarer und zugleich – aus Mangel an Perfektion – hinfälliger.

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Als Kamera kam hier die Zeiss Ikon zum Einsatz, ein ideales Arbeitsgerät für meine Zwecke: dezent und präzise. Ich habe nur ein einziges Objektiv verwendet, das Zeiss ZM Sonnar 1,5/50. Diese Kombination lässt nichts zu wünschen übrig. Grundsätzlich empfinde ich es als erholsam, mit einer einzigen Festbrennweite zu fotografieren: kein Zoom, kein Objektivwechsel.

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Der verwendete Film ist ein Kodak Professional BW400CN, bei den Scans handelt es sich um einfache Massenscans des Labors, das reicht für die kleinen Webbilder aus.

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Was das Handwerkszeug betrifft, so werde ich demnächst noch andere Kombinationen einsetzen. Derzeit fotografiere ich mit der Zeiss Ikon und dem Voigtländer Nokton 1.2/35 auf Ilford Pan F Film. Mit etwas Glück entsteht daraus Teil 2 dieser Serie. Wer weiß, vielleicht ringe ich mich sogar zu einem Farbfilm durch.

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