Wo ich lebe (und meistens fotografiere) – Teil 2

Inzwischen haben sich einige Fotos für mein Heimatprojekt, wie ich es lapidar nenne, angesammelt, einige davon in Farbe. Um also gleich mit dem Vorurteil aufzuräumen, Holten sei eine durchweg farblose Angelegenheit, zeige ich nun ein paar bunte Eindrücke meiner heimischen Umgebung – na ja, bunt ist wohl ein klein wenig übertrieben.

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Nein, das Bild ist nicht seitenverkehrt. Früher fuhren hier Güterzüge: die HOAG-Trasse.

Auch für diese Fotos habe ich als Kamera die (analoge) Zeiss Ikon verwendet. Der ganze Film (Agfa Pecisa) wurde mit nur einem einzigen Objektiv belichtet: mit dem Voigtländer Nokton 1.1/50, im Grunde eine Reportage-Brennweite, durch die extrem hohe Lichtstärke aber auch zu Malerischem fähig. Und so hatte ich mir vorgenommen, stets mit der größtmöglichen Blende zu fotografieren, was insbesondere bei hellem Tageslicht sehr schnell an Grenzen stößt. Aber der Zweck dürfte klar und auf den meisten Fotos auch erkennbar sein: nämlich große Teile der Bilder in Unschärfe zu tauchen.

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Blick übers Feld. Zugegeben, im Nebel muss man sich um Unschärfe nicht erst bemühen.

Das Schöne am Voigtländer Nokton ist, dass es auch bei der sagenhaften Offenblende von 1.1 noch brauchbare Aufnahmen liefert. Der Schärfebereich ist schärfer, als ich es von manchen Zoomobjektiven kenne, der Unschärfebereich (Bokeh) ist in der Regel sehr zart, und die in den Bildecken sichtbare Vignettierung trägt zu einem nostalgischen Flair der Bilder bei.

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Schön am Voigtländer Nokton 1.1/50 ist natürlich auch sein Preis. Für ein vergleichbares Objektiv der Marke Leica muss man definitiv ein Vielfaches auf den Tisch blättern, und das ist ja auch in Ordnung – aber eben nicht jedermanns Sache. Die Frage ist eher: Muss es unbedingt Lichtstärke 1.1 sein? Nur in den seltensten Fällen, würde ich meinen. Bei Tageslicht sicherlich nicht. Bei schlechten Lichtverhältnissen mag Blende 1.1 die eine oder andere Aufnahme erleichtern, welche mit kleineren Anfangsöffnungen nur bedingt machbar wäre. Ansonsten  könnte man noch die Abbildungsqualität eines auf Blende 1.4 abgeblendeten Noktons mit einem Objektiv vergleichen, das über Blende 1.4 als Anfangsöffnung verfügt. Das geht mir aber zu weit und sprengt jedenfalls den Rahmen dieser kleinen Fotostrecke.

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Auf dem Kuhweg. Dieses Motiv kam bereits in der ersten Serie vor. Blende 2.8 und 1/2000s – kürzer kann die Zeiss Ikon nicht.
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Der Eingang zum jüdischen Friedhof. Der liegt recht zentral und bleibt doch unbemerkt – schließlich ist er nicht größer als ein Vorgarten.
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Kunstwerk oder Klettergerüst? Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Die Nähe zum Kinderspielplatz deutet aber auf Letzteres hin.
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Zwei Bänke im Park am Holtener Kastell.
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Spinnennetz

Das soll vorerst genügen, sonst wird es hier in Holten noch zu bunt. Aber der nächste Schwarzweißfilm ist schon belichtet und wartet auf seine Entwicklung: ein Ilford Pan F. Es ist etwas 15 Jahre her, dass ich diese Filmsorte zuletzt verwendet habe. Damals fand ich diesen niedrigempfindlichen Film etwas schwer handhabbar. Es kam mir vor, als könne man niemals genug Licht auf diesen Film bannen. Ich bin schon sehr gespannt, was die Ergebnisse meines aktuellen Versuchs betrifft – immerhin kam auch für diesen Film ein nicht ganz alltägliches Objektiv zum Einsatz.

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