High ISO Vergleich: GF1, K-7 und D700

Ich hatte bereits in dem Artikel über die High ISO Performance der Pentax K-7 angekündigt, dass ich noch einen Vergleich mit der Panasonic GF1 und der Nikon D700 nachlegen würde. Drei Kameras mit drei unterschiedlichen Sensoren – interessant ist aber dennoch, welche Leistung sie im Grenzbereich höherer Empfindlichkeiten bringen.

iso-vergleich_testbild

Ausgangspunkt ist diese mehr oder weniger willkürlich angeordnete Testszene, mäßig beleuchtet durch eine Energiesparlampe. Der Weißabgleich wurde manuell durchgeführt, belichtet wurde in Zeitautomatik bei voreingestellter Blende 8. Die Objektive wurden so gewählt, dass der Bildausschnitt in etwa übereinstimmte, jeweils einer Brennweite von 50mm (Kleinbildformat) entsprechend.

Der zu vergleichende Bereich beginnt bei ISO 800 (hier sind bei keiner Kamera Schwierigkeiten zu erwarten) und endet für die GF1 bei ISO 3200, für die K-7 und D700 bei ISO 6400. Da die D700 noch höhere Empfindlichkeiten zulässt, zeige ich – gewissermaßen außer Konkurrenz – noch entsprechende Beispielbilder.

Zunächst habe ich auf die kameraintern erzeugten JPEG-Dateien zurückgegriffen, füge aber für die aus meiner Sicht kritische Empfindlichkeitsstufe von ISO 3200 noch Bearbeitungen von RAW-Dateien hinzu, um eventuelle Reserven der Kameras zu testen.

Für die Bewertung der Performance verwende ich 100% Crops des Ausgangsbildes (bitte die Bilder anklicken, um auch wirklich die 100% zu sehen). Dabei ist noch zu bedenken, dass die Pentax K-7 mit 14,5 Megapixeln einen leichten Auflösungsvorteil gegenüber den beiden anderen Kameras besitzt (GF1: 10,7 MP effektiv; D700: 12,1 MP), ich aber auf eine Angleichung verzichtet habe.

Beginnen wir mit der Panasonic GF1.

gf1_komplett_crop
Panasonic GF1, ISO 800 bis ISO 3200

Obwohl die Panasonic GF1 bereits bei ISO 1600 leicht abbaut, beginnen die deutlicher sichtbaren Ausfälle erst bei ISO 2500. Die Rauschunterdrückung hat hier bereits einiges zu tun, was sich darin äußert, dass Flächen und Linien etwas unruhig abgebildet werden. Die Farben beginnen zu verblassen. Bei ISO 3200 wird das Bild dann sehr blass, kontrastarm und fleckig. Hervorheben möchte ich allerdings die ausgezeichnete Schärfe des 14-45mm Zoomobjektivs, das dem Kamerasensor hervorragendes Ausgangsmaterial liefert.

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Pentax K-7, ISO 800 bis ISO 6400.

Im Vergleich zur GF1 erscheinen mir die Bilddateien der K-7 bis ISO 3200 weitaus sauberer. Die Rauschunterdrückung geht behutsamer zu Werke, und die Farbwiedergabe ist konstanter. Der sichtbare Leistungsabfall der Pentax K-7 beginnt bei ISO 3200, dramatisch wird es aber erst darüber, vor allem wegen der zunehmenden Fleckigkeit der Flächen.

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Nikon D700, ISO 800 bis 6400.

Was soll man dazu sagen? Die Performance der D700 (Sensor im vollen Kleinbildformat) ist über den gesamten Bereich von ISO 800 bis ISO 6400 sehr stabil. Ab ISO 3200 lässt die Intensität der Farben geringfügig nach, ab ISO 5000 werden die Flächen etwas sprenkelig – aber das ist praktisch zu vernachlässigen. Eine beeindruckende Leistung, die natürlich neugierig macht, wozu die D700 im erweiterten ISO-Bereich fähig ist. Deshalb hier noch eine Reihe bis ISO 12800.

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Nikon D700, ISO 8000 bis ISO 12800.

Selbst in diesem extremen Bereich ist kein dramatischer Einbruch zu erkennnen. Die Abbildung bleibt kontinuierlich auf hohem Niveau und erscheint durchweg brauchbar. Ich würde so weit gehen und ISO 12800 bei der D700 höher bewerten als ISO 3200 bei der K-7 und ISO 2500 bei der GF1. Da scheint dann doch die Sensorgröße eine entscheidende Rolle zu spielen.

Nun aber noch einmal der direkte Vergleich der drei Kameras, und zwar bei ISO 3200, wo sich die Spreu vom Weizen scheidet. Jeweils ein 100% Crop direkt aus der Kamera und ein 100% Crop aus einer nachbearbeiteten RAW-Datei. Bei der Bearbeitung kam Adobe Camera Raw 6.1 in der Version für Photoshop Elements 8 zum Einsatz. Farben, Kontrast, Helligkeit usw. wurden nicht verändert.

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Die drei Kameras im direkten Vergleich bei ISO 3200.

Auch hier wird das bereits konstatierte Gefälle bestätigt. Die D700 (rechts) liegt uneinholbar vorn, gefolgt von der K-7 (Mitte) und schließlich der GF1 (links). Bemerkenswert ist jedoch, dass vor allem die GF1 von der Nachbearbeitung der RAW-Datei zu profitieren scheint. Das von Hand erzielte Ergebnis liegt doch deutlich über dem Leistungsvermögen der Kamerasoftware. Auch bei der K-7 kann die manuelle Bearbeitung noch Reserven freilegen. Bei der D700 dagegen ist kaum ein Unterschied zu bemerken. Das Bild direkt aus der Kamera ist auf so hohem Niveau, dass eine manuelle Nachbearbeitung der RAW-Datei keine nennenswerte Verbesserung erzielt.

Abschließend noch ein kleiner Szenenwechsel, um einen anderen Aspekt der High ISO Performance zu beleuchten. Die bisher gezeigten Bildausschnitte legten den Schwerpunkt Auf Farbwiedergabe, Flächenhomogenität und Konturenschärfe. Abschließend erfolgt noch ein Vergleich (ebenfalls bei ISO 3200, keine Nachbearbeitung), der eher auf die Natürlichkeit der Bildwiedergabe abzielt.

vergleich_3200_crop_02
Die drei Kameras im Vergleich: Natürlichkeit der Bildwirkung.

Bei diesem Ausschnitt zeigt die GF1 (links) deutliche Schwächen. Hier geht die Tiefendimension des Bildes verloren. Das ist sehr schön daran zu sehen, dass die (roten) Streichholzköpfe im Vordergrund fast nahtlos in die die (bräunliche) Fläche des Untergrunds übergehen. Auch die Holzmaserung des Untergrunds verliert an Kontur. Dadurch wird die Bildwirkung flach und leblos.

Das löst die K-7 besser, die Farben werden deutlicher differenziert, die Tiefe der Bildwirkung bleibt erhalten. Allerdings sieht man in den dunklen Partien des Ausschnitts (Schatten) störende Farbflecken.

Zur Leistung der D700 muss man wieder nicht viel sagen – sie ist auch für diesen Aspekt des Vergleichs die unangefochtene Referenz. Das Bild ist sehr sauber, kein Detail wird ausgespart (man achte auf die Holzmaserung), die Farbwiedergabe ist perfekt. Obwohl der fotografierte Ausschnitt nur wenige Zentimeter umfasst und durchgehend scharf ist, besitzt das Bild eine angenehme, natürliche Tiefe.

Das Fazit dieses kleinen Vergleichs überrascht kaum: Wenn es um hohe Empfindlichkeiten geht, ist die Nikon D700 den beiden anderen Kameras spätestens ab ISO 3200 haushoch überlegen. Ob es ausschließlich der Sensorgröße zuzuschreiben ist – GF1: µ4/3, K-7: APS-C, D700: Kleinbild – und welche Rolle der jeweilige Bildprozessor spielt, kann ich natürlich nicht beurteilen.

Die Pentax K-7 und Panasonic GF1 bleiben durchaus im Rahmen dessen, was man von Kameras dieser Bauart erwarten kann und auch von vergleichbaren Modellen anderer Hersteller kennt. Bei beiden Kameras kann die Leistung sichtbar gesteigert werden, wenn man die Bearbeitung der Rohdaten manuell vornimmt und nicht der Kamerasoftware überlässt. Dies gilt in besonderem Maße für die GF1.

Alles in allem kann man sagen, dass es in diesem Vergleich keinen Verlierer gibt, denn alle Kameras liefern weitestgehend gute und brauchbare Ergebnisse ab, zumal wenn es nicht um jeden Preis ISO 3200 sein muss. Die Nikon D700 spielt klar in einer höheren Liga, was sich allerdings auch in der Preisgestaltung niederschlägt. Was dann schließlich den Ausschlag gibt, muss jeder selbst entscheiden. Manches, wie die Bildwirkung oder Farbwiedergabe, bleibt wenigstens zum Teil auch eine Geschmacksfrage.


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One thought on “High ISO Vergleich: GF1, K-7 und D700

  1. Miesmann

    Ein befreundeter Fototrainer hat neulich einen ungewöhnlichen Versuch unternommen. Er hat Abzüge seiner Nikon D300 von ISO 200 bis ISO 6400 auf DIN-A4 im Fachlabor abziehen lassen. Das Ergebnis: ein Unterschied ist nur mit viel Mühe sichtbar. Was am Bildschirm als Bildrauschen störend deutlich sichtbar ist, darf in der Praxis gern vernachlässigt werden. Das Bildrauschen sollte nicht überbewertet werden. So bringen Kameras, die wie die K-7 eher zum Rauschen neigen, dennoch erstklassige Ergebnisse auf´s Papier. Zudem ist die Frage, ob das High-ISO-Knipsen überhaupt so sinnvoll ist. Bei Sportaufnahmen in der Halle, wo zudem ein Blitz nicht gewünscht ist – OK. Aber sonst sollte der verantwortungsvolle Knipser zu lichtstarken Objektiven oder zum Stativ greifen. Und zuguterletzt könnte das Rauschen auch zum Stilmittel werden. Da scheint mir Sigma ein „schönes Korn“ zu liefern. Mittlerweile gibt es teure Filter um diesen „analogen Look“ zu imitieren

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