Erfahrungsbericht: Sigma SD15 im Einsatz

Dieser Erfahrungsbericht ist kein in die Tiefe gehender Test. Einige Punkte, die sicherlich von Interesse sein dürften, wie z.B. das Rauschverhalten bei höheren Empfindlichkeiten, werde ich hier noch nicht ansprechen. Dieser Artikel dokumentiert vielmehr meinen ersten Praxiseinsatz der SD15 in Verbindung mit dem im Set gekauften 18-200mm Zoomobjektiv.

SDIM0025_miko
Beliebter Weideplatz: die Rheinauen.

Ich habe also Kamera samt Objektiv in meine kleinste Fototasche gepackt, mich dann auf mein Fahrrad geschwungen und bin bei schönstem Wetter früh am Morgen Richtung Niederrhein geradelt. Niederrhein bedeutet in diesem Fall die Gegend um Duisburg Walsum herum. Hier stößt man auf eine bunte Mischung aus Naherholungs-, Naturschutz- und Industriegebieten.

Zu den Fotos ist Folgendes zu sagen: Ich habe durchgehend im RAW-Format fotografiert, ganz einfach weil Sigma bei der direkten JPEG-Ausgabe bekanntermaßen etwas schwächelt. Da man bei der SD15 nicht beide Formate gleichzeitig abspeichern kann, muss man sich grundsätzlich entscheiden. Sigma liefert zur Kamera die proprietäre Software Sigma Photo Pro in der Version 4.2 aus, mit der die Bearbeitung der RAW-Dateien nicht nur spielerisch von der Hand geht, sondern auch sichtbar bessere Ergebnisse liefert, als man beispielsweise mit Photoshop bei größerem Aufwand erzielt.

SDIM0021_miko

Auf eine Nachschärfung habe ich gänzlich verzichtet. Bereits bei der DP1s konnte ich feststellen, dass die Bilder des Foveon Sensors auf Anhieb so scharf sind, dass sie eine zusätzliche Schärfung nicht gut verkraften. Das ist bei der SD15 nicht anders, obwohl ich ausschließlich mit einem typischen Urlaubszoomobjektiv fotografiert habe, welches kaum als Schärfereferenz gelten dürfte.

SDIM0018_miko

Fast alle Bilder wurden mit ISO 200 gemacht. Das war jedoch alles andere als Absicht. Der Druckknopf für die ISO-Einstellung war meinem Daumen anfangs einfach im Weg, so dass der Wert versehentlich und unbemerkt verstellt wurde. Ähnlich war das mit dem Knopf für die Belichtungskorrektur. Hier macht sich meiner Meinung nach eine etwas verkrampfte Haltung der Kamera bemerkbar, die durch die Platzierung des Haupteinstellrads um den Auslöser herum entsteht. Auf Dauer gewöhnt man sich wahrscheinlich daran, grundsätzlich aber erscheint mir die Unterbringung eines solchen Rades direkt im Griff ergonomischer.

SDIM0022_miko

Ansonsten empfinde ich die Handhabung der SD15 als sehr angenehm: intuitiv und schnörkellos. Auf Motivprogramme verzichtet Sigma komplett – ein Indiz dafür, dass die SD15 nicht als Einsteigerkamera konzipiert ist. Das Moduswahlrad ermöglicht lediglich die Auswahl zwischen Programm-, Blenden- und Zeitautomatik sowie manuellem Betrieb.

Im erweiterten Menü kann man grob Einfluss auf die Farbabstimmung nehmen. Hier stehen die Optionen Standard, Lebendig, Neutral, Porträt, Landschaft zur Verfügung. Allerdings kann man diese Einstellungen auch nachträglich im RAW-Konverter vornehmen. Zumindest zu Beginn empfiehlt sich Letzteres, damit man die teilweise recht starken Auswirkungen auf die Farbgebung besser kontrollieren kann. Zur Feinabstimmung kann man im Menü Kontrast, Schärfe und Farbsättigung regeln. Auch hier tendiere ich eher zur nachträglichen Feinarbeit, da ich eh im RAW-Format fotografiere.

SDIM0028_miko

Die SD15 erweist sich im Einsatz als sehr angenehmes Werkzeug. Das sage ich zunächst mal mit einem Seitenblick auf die DP1s, bei der weniger das Fotografieren als das das Betrachten der fertigen Bilder Freude bereitet. Selbst für eine Kompaktkamera ist die DP1s zu langsam und zu umständlich. Die SD15 dagegen verhält sich so, wie man es von einer aktuellen Spiegelreflexkamera erwarten darf. Sie reagiert schnell, die Schreibgeschwindigkeit beim Abspeichern der Bilddaten ist akzeptabel, eine nennenswerte Auslöseverzögerung gibt es nicht.

SDIM0026_miko
Ein Bild, das ich zunächst für verloren hielt. Hier wurde die Sigma Software zum Retter.
SDIM0026_b_miko
So sah das Bild vor der Bearbeitung aus.

Bei der SD15 hat Sigma erstmals einen großen 3″-Monitor mit einer Auflösung von 460000 Pixeln verbaut. Das finde ich erfreulich und vollkommen ausreichend. Der Monitor dient ja vor allem der ersten Bildbeurteilung. Eine Live-View-Funktion ist bei SD15 nicht vorgesehen. Zur Bildbeurteilung muss aber gleich gesagt werden, das dies insofern eine vage Sache ist, als man damit keineswegs genau abschätzen kann, was am Ende aus der RAW-Datei wird. Man sollte sich auch hüten, voreilig Bilder zu löschen, die auf den ersten Blick fehlbelichtet erscheinen – was Sigma Photo Pro gerade auch aus belichtungskritischem Ausgangsmaterial herausholt, ist wirklich höchst erstaunlich (siehe oben).

SDIM0029_miko

Positiv überrascht hat mich das Objektiv. Als ich von einem Urlaubszoom sprach, bezog sich das nicht bloß auf den großen Brennweitenbereich des Objektivs, sondern auch auf eine vermeintlich bescheidene Abbildungsqualtität, die man auf Reisen in Kauf nimmt, um sich nicht an der Fotoausrüstung abschleppen zu müssen.

Das DC OS 18-200mm hat mich eines Besseren belehrt. Es harmoniert gut mit der SD15 (ich hatte zuvor das Gegenteil gelesen), der Autofokus ist hinreichend schnell und sicher, nur eben etwas laut, aber schließlich handelt es sich nicht um einen Ultraschallmotor. Ob der eingebaute Bildstabilisator effektiv arbeitet, habe ich nicht extra getestet. Ich hatte ihn eingeschaltet, und kein einziges der Bilder ist auch nur annähernd verwackelt. Das genügt mir vorerst als Demonstration der Effektivität, zumindest unter günstigen Bedingungen.

SDIM0033_miko

Das Objektiv bildet außerdem erstaunlich gut ab. Es zeichnet über den gesamten Brennweitenbereich hinweg schärfer als erwartet, liefert dem Sensor ausgezeichnete Farben und Kontraste, verzeichnet allenfalls moderat und zeigt auch keine auffallende Vignettierung in den Bildecken. Das ist eine uneingeschränkte Empfehlung wert. Wer also nicht vorhat, sich weitere Objektive des Sigma-Systems anzuschaffen, ist mit diesem Superzoom sehr gut versorgt. Tatsächlich hätte ich keine Hemmungen, es als einziges Objektiv mit in den (Foto-)Urlaub zu nehmen.

SDIM0034_miko

SDIM0035_miko

SDIM0036_miko

SDIM0037_miko

Eigentlich sprechen die Bilder für sich, vor allem wenn man bedenkt, dass sie mit einer Spiegelreflex-Ausrüstung im Wert von derzeit EUR 599,00 entstanden sind. Da bewegt man sich im unteren Preissegment, bekommt aber für relativ wenig Geld eine exzellente Bildqualität geboten, die auch weitaus teurere Kameras nicht besser hinbekommen.

Es mag  ja durchaus sein, dass die SD15 ab ISO 400 oder spätestens ISO 800 in Hinblick auf das Rauschverhalten gegenüber der Konkurrenz zurückfällt – aber welche Kamera macht bei niedrigen Empfindlichkeiten bessere Fotos?

SDIM0042_miko
Die Emschermündung aus der Ferne.
SDIM0043_miko
Die Emschermündung herangezoomt.

Wenn ich ein vorläufiges Fazit ziehen soll, muss ich sagen, dass es sich bei dem hier getesteten Set der Sigma SD15 mit dem Superzoom DC OS 18-200, zumal in Anbetracht des günstigen Kaufpreises, um ein nahezu perfektes Gesamtpaket handelt. Kamera und Objektiv arbeiten wunderbar zusammen und ermöglichen im Verbund mit Sigmas hauseigener RAW-Software Photo Pro 4.2 eine Bildqualität, die man auf diesem Niveau von der Konkurrenz allenfalls in einer höheren Preisklasse geboten bekommt. Farbabstimmung, Brillanz und Schärfeeindruck des Foveon-Sensors sind einmalig.

SDIM0046_miko

An der Kamera gibt es im praktischen Einsatz nichts auszusetzen. Sie ist wohltuend unauffällig und erfüllt klaglos alle Ansprüche an ein zuverlässiges Werkzeug. Das größte Problem der SD15 ist vermutlich Sigmas Marketing-Strategie. Mit der Ankündigung der SD1 stärkte man der frisch erschienenen SD15 nicht gerade den Rücken, sondern degradierte sie weit vor der Zeit zu einem Auslaufmodell. Einen solchen Eindruck jedoch macht sie ganz und gar nicht.

Was ich hier nicht getestet habe, ist die Zuverlässigkeit des Autofokus bei bewegten Motiven. Allerdings gehe ich davon aus, dass die SD15 in dieser Kategorie mit schnelleren Objektiven bessere Karten hätte. Das 18-200 Zoom ist auf Brennweite getrimmt, nicht auf Geschwindigkeit.

SDIM0050_miko
Ausklang im heimischen Garten.
SDIM0053_miko
Macrotauglichkeit des Superzooms.

Bei nächster Gelegenheit werde ich die SD15 noch bezüglich ihres Rauschverhaltens unter die Lupe nehmen, ich werde mir die kamerainterne JPEG-Erzeugung ansehen, bewegte Motive einfangen und die Portrait-Tauglichkeit des Sensors untersuchen. Ihre erste Bewährungsprobe hat die SD15 aber bereits mit Bravour bestanden. Kaum eine andere Kamera hat mir in letzter Zeit so viel Freude bereitet. Ich hoffe, man sieht es den Fotos an.

SDIM0054_miko


Sigma SD15 bei amazon.de suchen:

Related posts

2 thoughts on “Erfahrungsbericht: Sigma SD15 im Einsatz

  1. Hallo Marco,

    mir fällt zum DP1 Bericht und den darin enthaltenden Bildern sofort auf, wieviel besser die DP1 belichtet und auflöst. Die Bildhaptik ist bei der Kleinen viel besser, meiner Meinung nach.

    Kann das sein?

    Allerdings ist die Sigma SD15 nicht schlechter, als ihre Konkurrenzmodelle.

    Grüße
    Dieter

  2. Marco Schwinning

    Hallo Dieter,

    die DP1(s) hat natürlich ein sagenhaft gutes, optimal an die Kamera und den Sensor angepasstes Objektiv, wogegen die Bilder der SD15 mit einem Superzoom entstanden sind, das ich vorab eher als Scherbe bezeichnet hätte. Wenn man das bedenkt, sind die Bilder der SD15 überraschend gut.

    Was die Belichtung angeht, scheint die SD15 gerade im Standardmodus tatsächlich zur Überbelichtung zu neigen. Deshalb fotografiere ich momentan mit der Farbeinstellung „Neutral“ und mit 1/3 Belichungskorrektur nach unten. Das scheint zu helfen. Die RAW-Dateien reagieren dann ganz unproblematisch in Sigma Photo Pro. Da muss man also ein bisschen nach den optimalen Einstellungen suchen.

    Hinsichtlich der Bildqualität ist die DP1(s) eine Spitzenkamera, aber eben auf den Weitwinkelbereich spezialisiert. Die SD15 ist dagegen abhängig von der Qualität der angesetzten Objektive. Mit den richtigen Objektiven und optimal eingestellt ist die SD15 ebenfalls zu Höchstleistungen fähig, und dann eben auch vielseitiger.

    Gruß, Marco

Leave a Comment