Test: High-ISO-Versuche mit der Sigma SD15

Wenn man sich auf der Suche nach Informationen über Sigma Kameras ein wenig durch die einschlägigen Foren liest, stolpert man über verschiedene Kritikpunkte: von Klagen über Langsamkeit bis hin zum Ärger über Unzuverlässigkeit ist so ziemlich alles dabei. An einem Punkt aber wird das Gejammer besonders laut – das ist die schwache Performance bei hohen Empfindlichkeiten.

Daran hat sich auch mit der SD15 nichts geändert. Manch einer meint sogar, das Rauschverhalten der SD15 sei schwächer als das ihrer Vorgängerin, der SD14. Anlass genug, diesen Aspekt unter der Lupe zu betrachten. Allerdings sei gleich vorab klar gesagt, dass es hier nicht darum gehen kann, die SD15 als High-ISO-Star zu entdecken. Das ist einfach nicht ihre Domäne, nicht ihr Hauptanwendungsgebiet. Mich interessiert einfach nur, was mit dieser Kamera, die unter günstigen Bedingungen hervorragende Bilder macht, unter weniger günstigen Bedingungen möglich ist.

raw_iso_100_miko

Dazu nehme ich ein einfaches Arrangement bei bescheidenem Kunstlicht als Testszenario, das dazu dienen soll, Farbwiedergabe, Detailgenauigkeit und Flächenhomogenität bei höheren Empfindlichkeiten zu testen. Höhere Empfindlichkeiten, das heißt bei der Sigma SD15 bis zu ISO 3200 im erweiterten Bereich.

Ich habe das Testbild jeweils als JPEG direkt aus der Kamera und als RAW-Datei aufgenommen. Als Farbeinstellung der Kamera habe ich den Wert neutral gewählt und nachträglich die Farbsättigung um eine Stufe erhöht. Ansonsten habe ich von einer Nachbearbeitung abgesehen: keine Tonwertkorrektur, keine Kontrastanhebung, keine Nachschärfung. Bei den RAW-Dateien habe ich lediglich ab ISO 400 die Rauschunterdrückung aktiviert, um eine möglichst gute Bildqualität zu erzielen.

Die Umwandlung der RAW-Dateien erfolgte mit Sigma Photo Pro 4.2. Da bei dieser Software die Rauschunterdrückung jedoch nicht sehr gut regelbar ist, habe ich für ISO 1600 und ISO 3200 noch eine Vergleichsversion mit Adobe Photoshop Elements 8.0 erstellt. Zur besseren Beurteilung der Ergebnisse habe ich jeweils 100% Ausschnitte der verschiedenen Empfindlichkeiten zu einem Bild zusammengestellt. Da die Bilder im Fließtext verkleinert dargestellt werden, muss man für eine 100%ige Ansicht die jeweilige Vorschau anklicken.

ooc_vergleich_01
1. Ausschnitt: Farbwiedergabe – ooc bedeutet direkt aus der Kamera

Die farbigen Büroklammern ermöglichen die Beurteilung der Farbwiedergabe, in diesem Fall out of the camera, also direkt aus der Kamera. Wie man sieht, ist die Welt bis ISO 400 völlig in Ordnung, selbst den Qualitätsabfall bei ISO 800 würde ich als minimal bezeichnen. Rauschen wird sichtbar, die Farbsättigung lässt etwas nach, aber das ist keineswegs dramatisch. Ab ISO 1600 sieht es anders aus. Das Rauschen wird hier schon störend, schlimmer aber sind die deutlichen Überstrahlungen der Farben, sehr schön zu sehen an der blauen Büroklammer. Bei ISO 3200 kann man von Farben kaum noch reden. Der Ausschnitt zeigt regelrechte Auflösungserscheinungen.

raw_vergleich_01
1. Ausschnitt: Farbwiedergabe – bearbeitete RAW-Dateien

Bei den RAW-Dateien verhält es sich ähnlich. Bis ISO 800 kann man nicht meckern. Das ist vollkommen akzeptabel. Die Farbcharakteristik ist etwas anders als bei den Dateien direkt aus der Kamera, aber die Abstufungen sind sehr deutlich. Ab ISO 1600 ist durch die Bearbeitung zwar das Rauschen besser unterdrückt und die Farbwiedergabe etwas verbessert, allerdings lassen sich die Überstrahlungen nicht ganz vermeiden. Zudem wird das Bild von mysteriösen Farbflecken entstellt, besonders gut sichtbar an der roten Büroklammer bei ISO 3200. Dadurch ist die Brauchbarkeit doch sehr eingeschränkt.

ooc_vergleich_02
2. Ausschnitt: Detailgenauigkeit – direkt aus der Kamera

Hier geht es darum, wie gut Strukturen erhalten bleiben, also um die Konstanz der Auflösung. Dieser Aspekt ist direkt aus der Kamera bis ISO 400 tadellos. Man achte auf die sehr schönen Reflexionen der silberfarbenen Lackierung des Bleistiftes sowie die feinen Kerben im Ansatz der Bleistiftspitze oder auch die Rillen des Nagels. ISO 800 ist immer noch gut, aber im Vergleich etwas glattgebügelt. Die Brillanz geht etwas verloren. Dieser Verlust wird bei ISO 1600 noch deutlicher und ist bei ISO 3200 dramatisch.

raw_vergleich_02
2. Ausschnitt: Detailgenauigkeit – bearbeitete Raw-Dateien

Bei den RAW-Dateien lasse ich auch ISO 800 noch als sehr gut durchgehen. Hier bleiben fast alle Details erhalten. Bei ISO 1600 sieht man die Arbeit der Rauschunterdrückung, aber die Details sind noch nicht gänzlich verschwunden – damit lässt sich noch leben. ISO 3200 der bearbeiteten RAW-Datei ist zwar deutlich weniger verrauscht als die Direktausgabe der Kamera, aber die gegenständliche Plastizität des Motivs geht vollkommen verloren: das Bild wird flach und leblos.

ooc_vergleich_03
3. Ausschnitt: Flächenhomogenität – direkt aus der Kamera

Den Aspekt der Flächenhomogenität kann ich schnell abhandeln. Bis ISO 400 ist die flächige Wiedergabe exzellent. ISO 800 ist noch ok. Bei ISO 1600 setzen die Auflösungserscheinungen ein, ISO 3200 erscheint völlig unbrauchbar.

raw_vergleich_03
3. Ausschnitt: Flächenhomogenität – bearbeitete RAW-Dateien

Es könnte so schön sein, aber wenn man genau hinsieht, kann man bereits bei ISO 800 fleckige Verfärbungen erkennen, noch nicht wirklich störend, aber eben vorhanden. Bei ISO 1600 werden diese Flecken deutlicher sichtbar, bei ISO 3200 extrem. Zwar ist der Gesamteindruck der RAW-dateien homogener als direkt aus der Kamera, doch machen diese Verfärbungen die Arbeit zunichte, zumal sie sich mit Sigma Photo Pro 4.2  trotz aller möglichen Versuche nicht beseitigen ließen.

Nun könnte man ISO 1600 und ISO 3200 eigentlich schon aufgeben. Immerhin erzielt man mit ISO 400 exzellente und mit ISO 800 immer noch gute Ergebnisse. Damit lässt sich in den meisten Fällen ganz gut leben. Aber da es sich bei den höheren Empfindlichkeiten vor allem um ein Problem mit den Farben zu handeln scheint, lag es nahe, noch einen weiteren Versuch zu unternehmen – nämlich ohne Farbe.

ooc_vergleich_04
ISO 1600 und ISO 3200 in schwarzweiß – direkt aus der Kamera

Hier habe ich mich von vornherein auf die zwei kritischen Empfindlichkeiten beschränkt. Zumindest ISO 1600 macht in s/w auch direkt aus der Kamera einen brauchbaren Eindruck. Bei ISO 3200 ist das Rauschen etwas zu stark.

raw_vergleich_04
ISO 1600 und ISO 3200 – bearbeitete RAW-Dateien

Das ist doch ganz erstaunlich. Bei den bearbeiteten RAW-Dateien in s/w macht selbst ISO 3200 noch einen akzeptablen Eindruck. Details bleiben im Ansatz erhalten, es gibt saubere Grauabstufungen und homogene Flächen. Ich denke, mit gezielter Nachbearbeitung von Kontrast und Schärfe kann man hier noch einiges erreichen. Das gilt umso mehr für ISO 1600.

Zum Schluss noch der Versuch, den RAW-Dateien bei ISO 1600 und ISO 3200 mit einem anderen Konverter noch etwas mehr abzuringen, in diesem Fall mit Adobe Camera Raw 6.1 für Photoshop Elements 8.0.

raw_vergleich_05
ISO 1600 und ISO 3200 – mit ACR bearbeitete RAW-Dateien

Und tatsächlich scheint ISO 1600 hier auch in Farbe noch brauchbar zu sein. Die Rauschunterdrückung arbeitet viel besser. Leichte Überstrahlungen der Farben sind noch immer sichtbar, und insgesamt leidet die Brillanz des Bildes ein wenig, aber das Ergebnis ist insgesamt recht ermutigend. ISO 3200 ist auch in dieser Nachbearbeitung nur ohne Farbe zu gebrauchen, aber diese Version in s/w erscheint mir als die beste. Das Rauschen ist sehr gut kontrolliert, und trotz des etwas weichen Gesamteindrucks bleiben noch genügend Details erhalten. Der Versuch hat sich wirklich gelohnt.

Um die Ergebnisse dieses kleinen Tests zusammenzufassen, lasse ich mich zu der Behauptung hinreißen, dass ich das Gejammer über die Schwäche der Sigma SD15 bei hohen Empfindlichkeiten als übertrieben empfinde. Es stimmt, ISO 1600 und ISO 3200 sind nur bedingt, mit gewissen Einschränkungen und viel Nacharbeit überhaupt zu gebrauchen – aber immerhin: sie sind zu gebrauchen. Das mag manchem als nicht zeitgemäß und nicht konkurrenzfähig erscheinen, aber wem dieser Aspekt lebensnotwendig erscheint, der verfügt über entsprechende Alternativen,nur muss er dann eben auf die Vorzüge des Foveon Sensors verzichten.

Die SD15 wiederum punktet vor allem auf dem Gebiet der brillanten Bildwirkung, und das tut sie ohne irgendwelche Abstriche bis ISO 400. Damit lässt sich schon sehr gut arbeiten. Auch mit ISO 800 sind noch überzeugende Ergebnisse möglich. Ab ISO 1600 ist ein Ausweichen auf Schwarzweißfotografie ratsam – das muss nicht unbedingt als Beschränkung aufgefasst werden, es erinnert nur ein wenig mehr an die Fotografie mit Film. Auch kann  man bei höheren Empfindlichkeiten mit der Verwendung anderer RAW-Konverter als Sigma Photo Pro unter Umständen bessere Ergebnisse erlangen. Auf jeden Fall ist ab ISO 1600 die Verwendung von RAW-Dateien gegenüber den JPEGs aus der Kamera empfehlenswert.

So ganz auf verlorenem Posten sind die Sigma-Anhänger also auch bei hohen Empfindlichkeiten nicht. Und für die Zukunft macht Sigma ja recht vollmundige Versprechungen. So soll die angekündigte SD1 trotz dreifacher Auflösung ein Rauschverhalten zeigen, welches bei ISO 1600 in etwa ISO 400 des bisherigen Foveon Sensors entspricht. Bei aller Vorsicht und Skepsis gegenüber solchen Versprechungen: gelänge Sigma ein solcher Schritt, wäre das geradezu sensationell. Bis dahin ist eben ISO 400 das Maß aller Dinge aus dem Hause Sigma.


Sigma SD15 bei amazon.de suchen:

Related posts

Leave a Comment