Neu eingetroffen: Polaroid X530 (Mini-Foveon)

Heute kann ich mal eine kleine Kuriosität vermelden: die Polaroid X530. Was ist so besonders daran? Nun, bei dieser etwas klobigen Digitalkamera handelt es sich um ein Modell, das ungefähr aus dem Jahr 2004 stammt und nun, im Jahr 2011, über ein bekanntes Online-Auktionshaus aus irgendwelchen dubiosen Restbeständen neu für EUR 29,99 verkauft wird. Wer kann dazu schon nein sagen?

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Na ja, das erscheint vielleicht als ein stolzer Preis für eine aus heutiger Sicht hoffnungslos antiquierte Kamera, andererseits ist die Polaroid X530 in gewisser Weise historisch wertvoll, denn sie war die erste digitale Kompaktkamera, in der ein Foveon X3 Sensor verbaut wurde.

Außerdem hat die X530 sowas wie eine eigene Geschichte, denn wenn man es genau nimmt, hat es sie überhaupt nie gegeben, da sie nur kurze Zeit nach ihrer Einführung in Deutschland durch den deutschen Vertrieb wieder vom Markt genommen wurde. Angeblich gab es technische Probleme, über die im nachhinein eher spekuliert wird, als dass man Genaues wüsste.

Hier ein Zitat aus dem Informationsschreiben des deutschen Vertreibers plawa: „Die Verarbeitungsqualität und Funktion der Geräte entspricht teilweise nicht den Vorgaben und dem Qualitätsanspruch von plawa. Die Mehrzahl der ausgelieferten Kameras befindet sich im Test bei Medien und Handelspartnern. Die negativen und sehr uneinheitlichen Rückmeldungen über die Produktqualität und Leistungsdaten von Testgeräten sind ausschlaggebend für den Rückruf der Polaroid x530. Weniger als 35 Digitalkameras dürften bisher in Verwendung bei Endanwendern sein.“

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Waren es nun Probleme mit der Bildqualität, mit dem Sensor, mit dem Netzteil, der Firmware, der mitgelieferten Software? Keine Ahnung. In Tests schnitt die damals ca. 400 Euro teure X530 wegen mangelhafter Bildqualität schlecht ab. Vermutlich hat man dabei die kamerainternen JPEGs zur Beurteilung herangezogen (wie das noch heute mit den Kameras von Sigma gemacht wird) und völlig ignoriert, dass der Foveon Sensor seine Qualitäten erst bei der Aufzeichnung im Rohdatenformat ausspielt. Erstaunlich, aber wahr: die Polaroid X530 kann auch dies, und das ist eben das Sahnehäubchen dieser hoffnungslos unterschätzten Kamera.

Ich kann zu all den Spekulationen nur sagen, dass mein Exemplar funktioniert, und zwar ziemlich gut. Abgesehen von ihrem historischen Wert ist die X530 nämlich durchaus auch heute noch in der Lage, schöne Fotos zu machen – selbst wenn die technischen Spezifikationen das nur erahnen lassen. Wer würde sich z. B. heute noch mit einer Auflösung von 1,5 Megapixel abspeisen lassen oder mit einem 2″ Monitor? Aber Datenblätter sind auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Der Trumpf der X530 ist eben der Foveon Sensor, der dafür sorgt dass die 1420×1068 Pixel echte Farbpixel und eben nicht wie bei Bayer Sensoren interpoliert sind, was die Schärfe auf Pixelebene erhöht und die Farbgenauigkeit verbessert – zumindest in der Theorie.

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Was davon in der Praxis ankommt, ist einigermaßen umstritten. Sigma-Fans schwören auf den Foveon-Look, während andere gar nicht verstehen, wovon überhaupt die Rede ist. Handelt es sich vielleicht um eine Glaubensfrage? Zum Teil sicherlich, aber auch ich gehöre zu denjenigen, die den mit Foveon Sensoren gemachten Fotos eine ganz eigene Anmutung zugestehen. Wer es sieht, darf sich glücklich schätzen, und wer es nicht sieht, muss sich keine weiteren Gedanken über Sensoren machen, sondern darf auch zufrieden sein.

Zurück zur X530. Sie war kein echtes Polaroid-Produkt, sondern lediglich entsprechend lizensiert und gelabelt. Hersteller war die World Wide License Ltd., Hong Kong – äh ja. Dennoch ist die Kamera sehr gut verarbeitet, verfügt über ein exzellentes Objektiv mit einer umgerechneten Brennweite von 35-107mm bei einer guten Lichtstärke von 2.6-3.4 und bietet eine Programmautomatik mit manueller Belichtungskorrektur. Von den diversen Aufnahmemodi genießt vor allem der Makro-Modus einen hervorragenden Ruf – und den kann ich nur bestätigen.

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Wenn man ein Motiv findet, dem man sich bis auf 1cm annähern kann, wird man mit ausgezeichneten Bildern belohnt. Wohlgemerkt, wir haben es hier mit einer Kamera zu tun, die nagelneu für fast geschenkte 30 Euro zu bekommen ist. Allein der Makro-Modus ist das Geld locker wert. Ich finde die Ergebnisse sensationell.

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Man traut der nominellen Auflösung von 1,5 MP keine Reserven zu, um beispielsweise Ausschnitte eines Fotos zu vergrößern. Doch damit unterschätzt man den Foveon Sensor, der eben bei der ursprünglichen Bildverarbeitung nichts interpolieren muss, so dass eine nachträgliche Interpolation weniger Qualitätseinbußen mit sich bringt als bei herkömmlichen Sensoren.

Bei dem Bild der Marienkäfer handelt es sich bereits um einen Ausschnitt. Und aus diesem hier noch einmal eine Vergrößerung, damit die Reserven des Sensors deutlich werden. (Bitte nicht vergessen, das Bild zum Vergrößern anzuklicken.)

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Und zu allem Überfluss produziert diese so unscheinbare, fast hässliche, alte Kamera auch noch die echten Foveon-Farben – wobei anzumerken ist, dass man beste Ergebnisse aus den RAW-Dateien nicht unbedingt mit der aktuellen Version von Sigma Photo Pro 4.2 erzielt, sondern mit der älteren Version 2.5.

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Nun sollte man aber bei allem verspäteten Lob nicht meinen, die X530 könne einer Sigma DP1 oder DP2 das Wasser reichen, dafür ist ihr Sensor dann doch zu klein. Ihr Anspruch war auch ein ganz anderer. Aber der Ansatz, einen Foveon Sensor erstmalig in einer ansonsten ganz gewöhnlichen Kompaktkamera zu verwenden, ermöglicht auch heute noch erstaunliche Ergebnisse, die meiner Meinung nach eindeutig für diese Technologie sprechen. Wenn ich mir die Bilder so anschaue, frage ich mich, ob die X530 nicht doch einer Verschwörung zum Opfer gefallen ist.

Dennoch soll dieser kleine Artikel nicht als Kaufempfehlung missverstanden werden. Bei allem Enthusiasmus – für mich handelt es sich hier um ein Experiment, das nicht unbedingt pauschale Gültigkeit reklamieren kann. Vielleicht habe ich nur zufällig ein Exemplar erwischt, dass überhaupt funktioniert. Und wie es mit der Gewährleistung steht, weiß ich auch nicht, das ist mir in diesem Fall auch schnurzpiepegal.

Wer sich also dazu entschließt, EUR 29,99 für eine Polaroid X530 auszugeben, sollte dies auf eigene Gefahr und mit dem Bewusstsein eines möglichen Fehlschlags tun. Tja, und wer Glück hat, erhält ein kleines Spielzeug, das unter Umständen sogar mehr kann als modernere Kameras, die ein Vielfaches kosten.

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11 thoughts on “Neu eingetroffen: Polaroid X530 (Mini-Foveon)

  1. […] Ein netter Blogeintrag zur Polaroid x530 in Marco Schwinnings "Mittenkontakt". http://www.mittenkontakt.de/2011/05/…polaroid-x530/ […]

  2. Vielen Dank für diesen informativen Artikel, ich habe heute vormittag auch zugeschlagen –
    derzeit liegt der Preis bei 24.99 EUR incl. Versand, da konnte ich nicht widerstehen…hoffe
    auf aehnliche Ergebnisse mit dem „kleinen Spielzeug“ wie Du.

    PS: Ist dir ein Firmware Upgrade bekannt?

    Happy Shooting,
    marc

  3. Marco Schwinning

    Hallo Marc,

    dann beglückwünsche ich dich erst einmal zu deinem Mut, eine aus heutiger Sicht hoffnungslos veraltete Kamera zu kaufen. Aber wer Lust auf Experimente oder eben Makrofotografie mit einfachsten Mitteln hat, wird sicherlich belohnt.

    Ein Firmware Update ist mir nicht bekannt. Da wird in den verschiedenen Foren auch eher spekuliert, als dass einer was weiß. Ich denke aber, dass man sich mit den Gegebenheiten der Kamera auch so ganz gut arrangieren kann. Sie ist halt ein altes Schätzchen.

    Viel Spaß noch damit!

    Gruß, Marco

  4. marc p.

    ich weiß, kenne die entwicklung via web dieser kamera – deswegen wollte ich sie haben, meine ist übrigends genau wie deine, nagelneu, eingeschweißt, incl. dt. netzteil als „addon“. 😉 ansonsten habe ich noch so manches alte megapixel schnäppchen was z.Zt. besser
    als aktuelle hobby-knipsen sind, oly 5050z z.B, canon g5, dsc v1 sony, etc…vorallem letztere
    beiden haben mit lichtstärke f/1.8 & f/2 heutigen plasticbombern welten voraus…mir ist nur
    die xz-1 von oly bekannt mit f/1.8 im ww-bereich, dafür kostet die kleine nicht wenig &
    hat leider keine top-verarbeitung wie z.b. bei panasonic oder leica mit der d-lux serie..bis
    auf den jpeg output & den namen sind letztere identisch (lx5 vs. d-lux5 z.B.)
    diese alten „schätzchen“ o.g. machen auch anno 2011 noch sehr gute fotos.

    gruß,
    marc

  5. Alfred

    Hallo zusammen. Ich habe inzwischen zwei dieser Teile bekommen, leider immer wieder der gleiche Fehler: Akku leer, wird nicht geladen, Kamera schaltet selbst mit Netzteil ab… schade drum. Bei 25 Euro kein Thema einen Akku zu kaufen, aber hilft das?

  6. Kostja

    Nein man, das liegt an dem Netzteil, hast du kein zweites seperat geliefert bekommen? das was in der verpackung beiliegt, funktioniert nämlich nicht

  7. Marco Schwinning

    Hallo,

    bei mir war es so, dass zwei Netzteile mitgeliefert wurden. Einmal das originale, das eben nicht funktioniert, weil es falsch verpolt ist, und ein zusätzliches, das problemlos funktioniert.

    Theoretisch kann es aber auch am Akku liegen. Bei dem recht hohen Alter ist es durchaus möglich, dass der Akku sich nicht mehr aufladen lässt. Ich hatte mir sicherheitshalber einen separaten Akku zugelegt, den ich aber bisher gar nicht brauchte, weil der originale seinen Dienst ohne zu murren verrichtet.

    Gruß, Marco

  8. Knipser0815

    Ein eindrucksstarker Beitrag (Wort und Bild). Vermisse nur einen Hinweis zu der Lade- und Abschaltproblematik der X530, wie sie sich bei mir bemerkbar macht. (Aber vielleicht nur bei mir ?). Bei mir ist nämlich auffällig, daß die „Laufzeit“ der Batterie recht gering ist; hatte das mit der „Funktionsvielfalt“ der X530 begründet aber nach Messung der Akku-Spannungen festgestellt, daß das Netzteil mit zu hoher Spannung (5,2 V >> 4,2 V) lädt und bereits bei 3,85 V > 3,7 V meldet: „Akku leer. Camera wird in 10 sec abgeschaltet“.

    Kann jemand diesen (bei mir vorhandenen) Sachverhalt bestätigen ?

  9. Marco Schwinning

    Hallo,

    zur Lade- und Abschaltproblematik kann ich nicht viel sagen, da ich das bisher gar nicht als Problem wahrgenommen habe. Vielleicht nutze ich die X530 nicht intensiv genug? Ich habe im Moment aber auch andere Themen abzuarbeiten, vor allem den Vergleich von DP2x und DP2s, da bleibt keine Zeit für die kleine Polaroid.

    Wie gesagt, mir fehlte da bisher das Poroblembewusstsein. Ich würde mich aber auch generell nicht so sehr auf die X530 verlassen, dass ich z.B. mit ihr allein auf Tagestour ginge.

    Gruß, Marco

  10. Remix

    Hi, ich habe diese Kamera neulich, vor einigen Monaten, bei ebay für 24,99€ geschossen.
    Habe mich im Vorfeld informiert u.a. über diese HP.
    Soweit ich mich, auf anderen Seiten, belesen habe sind beide mitgelieferten Netzteile unbrauchbar da sie den Akku mit 5 Volt betanken, er aber nur max. 3,7 Volt verträgt.
    Habe mir vorsichtshalber ein Universalnetzteil gekauft welches sich auf immerhin 4 Volt einstellen lässt (gabs bei amazon für knapp 5€).
    Die Kamera zeigt übrigens selbsttätig an wann der Akku voll ist, wenn die rote Kontrollleuchte rechts neben dem analogen Sucher erlischt, ist der Akku voll.

    Des weiteren, für alle diejenigen die auf der suche nach einem Ersatzakku sind, hier ein toller Tipp eines Freundes: Der „OLYMPUS LI-10B“-Akku ist baugleich, vollkompatibel und kostet unter 4€.

    Ich habe schon tolle Makrofotos mit dem Gerät geschossen und werde es nie wieder hergeben^^

    Gruß.
    Remix

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