Wem die Sigma SD1 ein bisschen zu teuer ist …

… der sollte es einmal mit der Polaroid X530 versuchen! Zugegeben, die SD1 verfügt über die 10-fache Auflösung, dies aber zum 250-fachen Preis (laut Ankündigung von Sigma). Da kommt man schon ins Grübeln. Im Ernst, wer braucht eigentlich die Auflösung der SD1? Wenn man einmal von professionellen Fotografen absieht und sich auf den Amateurbereich beschränkt, eigentlich nur derjenige, der sein Wohnzimmer mit eigenen Fotos in Überlebensgröße tapezieren will.

PIMG0041_miko

Über die Polaroid X530 habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Sie ist ein tot geborenes Modell aus dem Jahr 2004, das von Zeit zu Zeit aus Restbeständen neu für etwa EUR 30,00 verramscht wird. Das Besondere an dieser Kamera ist einzig und allein der darin verbaute Foveon Sensor, wie er eben auch in Kameras von Sigma zum Einsatz kommt. Dessen Auflösung ist zwar in der X530 auf magere 1,5 Megapixel geschrumpft, aber selbst damit kann man noch gute Fotos machen.

PIMG0060__02_miko

Ich will hier gar nicht auf die Mängel, Eigenheiten und Beschränkungen der Polaroid X530 eingehen, sondern lediglich einige Fotos zeigen, die mit ihr entstanden sind – nichts Spektakuläres, sondern bloß Alltägliches. Aber wer würde mit einer SD1 schon Spektakuläres fotografieren? Profis vielleicht: die typischen Fotos von Models in extravaganten Kleidern oder auch halbnackt, atemberaubende Landschaften, die uns von der großen, weiten Welt träumen lassen, und natürlich verführerisch inszenierte Produkte, die wir kaufen sollen. Aber wer würde eine Kamera für zigtausend Euro mal eben mit auf einen Spaziergang um die Ecke nehmen, um marode Weidezäune zu fotografieren?

PIMG0048_miko

Würde man sie allen Ernstes für ein paar Gelegenheitsfotos seiner Kinder verwenden wollen?

PIMG0051_miko

Natürlich genieße auch ich das Gefühl, eine teure, hochwertig verarbeitete Kamera in der Hand zu halten, die im Idealfall jedes noch so unbedeutende Detail einzufangen in der Lage ist. Aber mindestens ebenso genieße ich es, mit einer Handvoll Elektronikschrott Bilder zu machen, die mir – wenn sie mich auch nicht in Verzückung geraten lassen – immerhin gefallen. Und genau das schafft selbst so ein Stück Ramsch wie die Polaroid X530.

PIMG0043_silky_miko

Wer nur vom Allerbesten, vom Idealen besessen ist, wird sich mit der Realität schwer abfinden können. Was mich betrifft, ist meine Realität zumeist alltäglich. Daran würde auch eine SD1 nichts ändern, zumindest nicht in größerem Maße, als es bereits eine X530 vermag. Denn jedes noch so unvollkommene Foto nimmt der Realität ein wenig von ihrer Alltäglichkeit.

PIMG0054_miko

Die Frage ist doch letztlich, wovon eigentlich wir uns verzaubern lassen wollen: von einem Stück Technik, das wir als Werkzeug gebrauchen, oder von der Wirklichkeit selbst, mit der wir durch die Fotografie – wenn sie uns gelingt – in eine intensivere Beziehung treten können.

PIMG0021_miko

Und schließlich kennt jeder diese Erfahrung, dass es nicht selten gerade dieses vermeintlich perfekte Stück Technik ist, das dem Gelingen im Weg steht – und sei es nur deshalb, weil wir nicht wagten, es mitzunehmen.

PIMG0032_miko

Deshalb ist meine womöglich provokant erscheinende These, die Sigma SD1 den Profis zu überlassen – falls sie sie denn wollen – und stattdessen mit einer Kamera wie der Polaroid X530 zu fotografieren, keineswegs als Scherz misszuverstehen. Auf dem Niveau, welches der Großteil der Hobby-, Freizeit- und Gelegenheitsfotografen bevölkert, ist dies eine durchaus ernst gemeinte Anregung.

PIMG0040_miko

Nichts gegen Träume vom idealen fotografischen Werkzeug (das auch die SD1 natürlich niemals sein wird), aber man sollte sich stets fragen, welches unserer Fotos einen solchen Preis wert ist, wie Sigma ihn für sein so genanntes Flaggschiff zu fordern gedenkt. Von meinen eigenen Fotos wüsste ich keins. Und um dies zu illustrieren, schließe ich diesen kleinen Artikel mit einem weiteren Zaunbild, das ebenso belanglos wie gefällig ist – mag es auch mit der falschen Kamera entstanden sein.

PIMG0059_miko

PS: Alle in diesem Artikel gezeigten Fotos sind mit der Polaroid X530 entstanden, die ich kürzlich für EUR 29,99 erworben habe. Sie wurden als RAW-Datei aufgenommen, mit Sigma Photo Pro 2.5 entwickelt und mit Adobe Photoshop Elements 8.0 endverarbeitet. Ach ja, und ich habe nicht vor, mit den Bildern unser Wohnzimmer zu tapezieren …

Related posts

One thought on “Wem die Sigma SD1 ein bisschen zu teuer ist …

Leave a Comment