Olympus E-P1 versus Sigma DP2s – Teil 2: RAW

In Teil 1 habe ich die Olympus E-P1 und die Sigma DP2s anhand von JPEG-Dateien, wie sie vom Bildprozessor der Kamera ausgeworfen werden, verglichen und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass in dieser Hinsicht keine der beiden Kameras der anderen überlegen ist. Wie angekündigt, reiche ich nun noch den Vergleich der RAW-Dateien nach, Bildrohmaterial also, das eine ausgiebige Nachbearbeitung nicht nur ermöglicht, sondern oft auch verlangt.

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Sigma DP2s (links) und Olympus E-P1 mit 17mm Pancake.

Die Verwendung von RAW-Dateien ist mit einem gewissen Aufwand verbunden: die Daten müssen zunächst am Computer mit Hilfe eines RAW-Konverters in gängige Bildformate wie JPEG oder TIFF umgewandelt werden. Das ist ein zusätzlicher Arbeitsschritt, der sich allerdings oftmals lohnt, da das jeweilige RAW-Format (von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich, da man sich bisher auf keinen verbindlichen Standard hat einigen können oder wollen) weitaus tiefere Eingriffe ins Bild gestattet. Als Beispiel sei hier der Weißabgleich genannt, der bei einer RAW-Datei noch im Nachhinein beliebig geändert werden kann, ohne die Qualität des Bildes zu beeinträchtigen.

Die Ausgangsvoraussetzungen dieses Vergleichs sind in Teil 1 nachzulesen. Teilweise habe ich für die RAW-Bearbeitung sogar die gleichen Fotos herangezogen. So kann man auch sehen, ob die manuelle Bearbeitung gegenüber der In-Kamera-Bearbeitung noch einen Qualitätsvorsprung aufweist.

Im JPEG-Vergleich ging die Olympus E-P1 als klarer Favorit ins Rennen. Gute Bilder direkt aus der Kamera sind eine allgemein anerkannte Stärke von Olympus. Im Gegensatz dazu sagt man den Sigma-JPEGs nicht viel Gutes nach. In meinem Vergleich konnte die SigmaDP21 jedoch der E-P1 das Wasser reichen. Ich konnte hier beim besten Willen keinen klaren Vorteil der E-P1 erkennen. Im Vergleich der RAW-Dateien wiederum gilt die DP2s als Favorit. Ihr einzigartiger Foveon Sensor spricht überaus gut auf nachträgliche Bearbeitung an, insbesondere mit dem RAW-Konverter aus eigenem Hause.

Für die Bearbeitung der Rohdaten kamen denn auch dreierlei Konverter zum Einsatz. Sigma Photo Pro 4.2 für die meisten Bilder der DP2s, Silkypix Developer Studio 4.0 Pro und Adobe Camera Raw 6.2 (mit Photoshop Elements 8). Es mag befremdlich erscheinen, ein Foto der DP2s mit Sigma Photo Pro zu entwickeln, um es dann mit einem Foto der E-P1 zu vergleichen, das in Adobe Camera Raw entwickelt wurde. Hier geht es für mich aber darum, das Beste aus den Rohdaten zu machen, unabhängig vom verwendeten RAW-Konverter. Es mag sein, dass es für Rohdaten von Olympus bessere Konverter gibt als Camera Raw oder Silkypix, allerdings ist zu bedenken, dass Sigma Photo Pro kostenlos erhältlich ist und mit Kameras von Sigma ausgeliefert wird. Hier muss sich also ein kostenloses Programm gegen kommerzielle Konkurrenz behaupten. Dies sollte nicht als Vorteil der DP2s gewertet werden.

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DP2s: Blende 2.8, 1/320s bei ISO 200.
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E-P1: Blende 2.8, 1/250s bei ISO 200.

Fangen wir mit einem eher unkritischen Bild an, das bereits in Teil 1 des Vergleichs verwendet wurde. Dort haben beide Kameras nahezu identische Ergebnisse abgeliefert. Auch hier sind die Unterschiede nicht groß. Beide Bearbeitungen gewinnen gegenüber den JPEGs, wie sie direkt aus der Kamera kamen: vor allem die Farben sind satter. Aber gegenüber der E-P1 kann die DP2s noch einmal punkten, da sie die Lichter viel besser kontrolliert.

An dieser Stelle noch ein Tipp, wenn man die Bilder dieses Artikels mit denen aus Teil 1 vergleichen will. Am einfachsten ist es, man öffnet die beiden Artikel in jeweils eigenen Browserfenstern, die man so platziert, dass man sie nebeneinander betrachten kann. Auch das nächste Bilderpaar ist bereits im ersten Teil zu finden.

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DP2s: Blende 2.8, 1/320s bei ISO 200.
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E-P1: Blende 2.8, 1/200s bei ISO 200.

Die Problemzone des Bildes ist die obere linke Ecke mit dem direkten Sonneneinfall, während der Großteil des Motivs im Schatten liegt. Die JPEGs aus der Kamera neigen dazu, den hellen Bereich hoffnungslos überzubelichten, und auch die RAW-Bearbeitung der E-P1 kann diesen Bereich – trotz deutlicher Verbesserung – nicht vollständig retten. Ganz anders die DP2s. Sieht man einmal davon ab, dass sie das Motiv von vornherein knapper belichtet – ihr gelingt das Kunststück, die Überbelichtung der Problemzone restlos auszugleichen.

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DP2s: Blende 2.8, 1/125s bei ISO 200.
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E-P1: Blende 2.8, 1/80s bei ISO 200.

Ähnliches siehrt man auch hier. Trotz der fast schon übertriebenen Wiederherstellungsversuche gelingt es bei dem Bild der E-P1 nicht, die Spitzlichter zu dämpfen. Die DP2s schafft es mühelos und lässt das Licht sehr natürlich erscheinen. Der Gesamteindruck ist eindeutig besser, ich würde sagen: weniger digital.

Das nächste Beispiel war im ersten Teil des Vergleichs ein Stolperstein für beide Kameras: zu schwierig die Lichtverhältnisse, um die komplette Dynamik der Szene angemessen wiederzugeben. Insgesamt gefiel mir dabei das Ergebnis der Olympus E-P1 besser. Hier nun also die Ergebnisse der RAW-Bearbeitung.

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DP2s: Blende 2.8, 1/320s bei ISO 200.
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E-P1: Blende 2.8, 1/400s bei ISO 200.

Gegenüber dem Kamera-JPEG gewinnt die RAW-Version der E-P1 noch einmal an Farbigkeit – allerdings nur in den vernünftig belichteten Bereichen des Bildes. Der ausgewaschene Himmel lässt sich nicht wiederherstellen.

Ganz anders die DP2s. Plötzlich ist der Himmel da, die Spitzlichter sind sauber eingefangen, die Szene wirkt homogen und harmonisch – und dies, obwohl die DP2s gegenüber der E-P1 großzügiger belichtet hat (1/320s zu 1/400s). Das ist ein deutlicher Vorsprung für die DP2s.

Ich räume gerne die Möglichkeit ein, dass es mir nicht gelungen ist, die Datei der E-P1 optimal zu bearbeiten, dennoch bin ich der Meinung, dass die Sigma DP2s ganz einfach die besseren Rohdaten liefert, was wiederum einen größeren Bearbeitungsspielraum mit sich bringt. Das soll nicht heißen, dass die Olympus E-P1 in dieser Hinsicht schwach wäre, sie erreicht bloß nicht das erstaunliche Potenzial der DP2s.

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DP2s: Blende 11, 1/400s bei ISO 200.
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E-P1: Blende 8, 1/800s bei ISO 200.

Hier mussten bei beiden Kameras der Schatten aufgehellt und die Lichter etwas abgedunkelt werden, um eine ausgewogene Belichtung zu erzielen. Das quittierten beide mit starkem Farbrauschen vor allem in den Schatten, bei der der E-P1 zudem in der gesamten Himmelspartie. Doch man erkennt auch die Stärke der E-P1: nämlich die sehr ansprechende Farbigkeit ihrer Bilder.

Direkt aus der Kamera (E-P1) sieht das Bild übrigens so aus:

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E-P1: Blende 8, 1/800s bei ISO 200.

Die DP2s ist wieder etwas neutraler, aber auch etwas klarer mit besserem Schärfeeindruck. Allerdings ist anzumerken, dass die DP2s in dieser Szene die Schattenpartien mit den für den Foveon Sensor typischen Flecken in Grün und Magenta verunstaltete. Sigma Photo Pro 4.2 konnte da nichts ausrichten, zumal auch die Option einer Rauschminderung (falls man es überhaupt Rauschen nennen soll) erst ab ISO 400 zur Verfügung steht. Diese Rauschen-/Flecken-Problematik bekommt am besten Silkypix in den Griff.

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DP2s, Blende 2.8, 1/640s bei ISO 100.
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E-P1, Blende 2.8, 1/2500s bei ISO 200.

Und auch hier bestätigt sich der bisherige Eindruck. Die Olympus E-P1 liefert in der RAW-Bearbeitung ein sehr gutes Bild ab, aber das Bild der Sigma DP2s ist einfach knackiger: es ist schärfer, zeichnet die Strukturen der Gräser deutlicher und wirkt plastischer. Aber das fällt wirklich erst im direkten Vergleich auf. Betrachtet man nur das Bild der E-P1, gibt es in technischer Hinsicht nicht das Geringste zu bemäkeln.

Außer Konkurrenz und nur aus Neugier folgt noch einmal das gleiche Motiv, aufgenommen mit der Nikon D700 und dem Zeiss Distagon 2/35 ZF.2. Ich würde sagen, diese Aufnahme hat am ehesten sowas wie eine poetische Dimension – aber darüber kann man natürlich streiten.

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D700, Blende 2.8, 1/320s bei ISO 200.

Auch das letzte Beispiel wird das Blatt nicht mehr wenden können. Die Olympus E-P1 mit dem 2.8/17 Pancake gibt ihr Bestes (und das ist schon sehr ansehnlich), wird aber von der DP2s klar übertrumpft.

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DP2s: Blende 2.8, 1/320s beis ISO 100.
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E-P1: Blende 2.8, 1/800s bei ISO 200.

Das Bild der E-P1 ist stimmungsvoll, harmonisch, während die DP2s in diesem Fall eher analytisch, zugleich aber mit großer Suggestivkraft zu Werke geht.

Als Fazit bleibt mir nichts anderes übrig, als der DP2s ein größeres Potenzial für die Bearbeitung von RAW-Dateien zuzusprechen. Während sie sich im JPEG-Vergleich überraschend gut aus der Affäre gezogen hat, erarbeitet sie sich im RAW-Vergleich einen deutlichen Vorsprung.

Dennoch will ich die DP2s nicht zum Sieger erklären, denn darum ging es in diesem Vergleich nicht. Für Besitzer der Olympus E-P1 gibt es keinen zwingenden Grund, das System zu wechseln, denn die Kamera macht gute Fotos, und viele ihrer Vorzüge kamen in diesem Vergleich gar nicht zur Geltung, so zum Beispiel die kamerainterne Bildstabilisierung, die in Verbindung mit einer sehr guten High-ISO-Fähigkeit Fotos ermöglicht, bei welchen die DP2s sich geschlagen geben müsste.

Die DP2s ist der fotografische Purist, der auf größtmögliche Bildqualität ausgerichtet ist und daher auch das RAW-Format zur weiteren Bearbeitung einfordert. Die E-P1 ist eben auch Teil eines kompletten fotografischen Systems und darum weitaus flexibler einsetzbar. Sie liefert direkt aus der Kamera schöne JPEGs, die im RAW-Format durchaus noch verbessert werden können, wenn auch nicht in dem Maße, wie es bei der DP2s der Fall ist. Vor allem bei den Highlights sind die Restaurationsfähigkeiten der E-P1 begrenzt. Hier sollte man im Zweifelsfall von vornherein etwa knapper belichten, um den Dynamikumfang des Sensors nicht zu überfordern.

Alles in allem zwei liebenswerte Kameras mit verzeihbaren Schwächen. Beide arbeiten sehr zuverlässig und können auch anspruchsvollere Fotografen zufriedenstellen. Beide sind derzeit recht günstig zu bekommen, weil beide durch neuere Modelle ersetzt werden – was ihrem Leistungsvermögen keinen Abbruch tut: ganz so schnell gehören selbst Digitalkameras nicht zum alten Eisen.


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