Erste Vergleichsbilder: Sigma DP2x vs. Sigma DP2s

In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen beglückt Sigma die Liebhaber der DP-Serie mit einer Neuauflage der bewährten, aber auch gewöhnungsbedürftigen Kompaktkameras mit großem Foveon Sensor. Ebenso regelmäßig kommt bei der Gelegenheit die Frage auf, ob sich ein Update lohnt. So auch jetzt, da die dritte Generation der DP2 erschienen ist: die DP2x.

Zur Erinnerung sei noch einmal erwähnt, dass die DP1-Serie über ein Objektiv verfügt, das im Kleinbildformat ungefähr 28mm Brennweite, also einem klassischen Weitwinkel, entspricht, während die DP2-Serie mit einer eher neutralen Optik von ca. 41mm ausgestattet ist.

Zu den jeweils verbauten Objektiven kann man sagen, dass sie sicherlich zum Besten gehören, was bisher in Kompaktkameras verbaut wurde. Und diese sehr guten Objektive liefern in Verbindung mit dem Foveon Sensor hervorragende Bilder. Das Gute ist nun, dass Sigma an dieser Grundausstattung seit der ersten Auflage (DP1, DP2) nichts geändert hat. Warum also überhaupt die zweite (DP1s, DP2s) und inzwischen sogar dritte (DP1x, DP2x) Auflage?

Nun, das ist ein großer Streitpunkt. Natürlich wirbt Sigma stets mit deutlichen Steigerungen der Bildqualität, Geschwindigkeit und Handhabung. Unterm Strich aber bleiben eher dezente Verbesserungen im Detail. Als extremes Beispiel sei hier die Farbe der Knöpfchenbeschriftung genannt. Hilfreich ist sicherlich die Einführung des Quick Set Menüs gewesen, welches schnelleren Zugriff auf wichtige Funktionen ermöglicht. Und sonst?

Beim Versionssprung von der DP2s zur DP2x wirbt Sigma mit zwei Errungenschaften: mit einem neuen Algorithmus, der die Geschwindigkeit des Autofokus verbessern soll, und mit dem so genannten Analog Front End, von dem kein Sterblicher zu wissen scheint, was genau sich hinter dem klingenden Begriff verbirgt.

Deshalb lasse ich Sigma selbst zu Wort kommen: „Das AFE (Analog Front End) wandelt die Farbdaten, die der FOVEON X3® Vollfarbensensor aufzeichnet, in ein digitales Signal. Dadurch kann die Kamera hochaufgelöste und farbenreiche Bilder wiedergeben.“ Aha. Und was haben die Kameras vorher gemacht? Ohne AFE? Wenn man dieser Aussage aus der Marketingabteilung Sigmas irgendeinen Wert zuerkennen will, müsste die DP2x gegenüber der DP2s einen sichtbaren Vorsprung in Hinblick auf Auflösung und Farbwiedergabe aufweisen. Das ist ein hoher Anspruch – zu hoch?

dp2x_07_x3f
DP2x: Blende 2.8, 1/40s bei ISO 100.

 

dp2s_07_x3f
DP2s: Blende 2.8, 1/50s bei ISO 100.

Gleich zu Beginn der erste Schocker. Wer bisher noch nicht wusste, was es mit dem magenta cast in enlischsprachigen Diskussionen um die DP2x auf sich hat, bekommt es hier gnadenlos aufs Auge gedrückt. Das Bild der DP2x hat ganz eindeutig einen Farbstich in Richtung magenta.

Bevor man nun zu einem voreiligen Urteil kommt, möchte ich aber ein paar Dinge zu den Aufnahmebedingungen sagen. Es gibt dabei Variablen, die ich bewusst nicht kontrolliert habe (die auch nicht unbedingt 100%ig zu kontrollieren sind). Alle Fotos in diesem Artikel entstanden mit automatischem Weißabgleich. Der kann sich bekanntlich selbst bei einer einzigen Kamera von Foto zu Foto verändern, selbst wenn die Lichtbedingungen anscheinend gleich bleiben. Zur Praxistauglichkeit gehört aber eben ein zuverlässiger Weißabgleich dazu. Warum also sollte ich ihn nicht einsetzen?

Ich habe die Einstellungen des Weißabgleichs bei der nachträglichen Entwicklung der RAW-Dateien in Sigma Photo Pro 5.0 nicht verändert. Ich habe ebensowenig Belichtung, Kontrast, Farbe usw. verändert, alle Regler blieben in ihrer neutralen Ausgangsstellung, außer bei den Bildern, die ich gezielt mit der Automatik der Software habe korrigieren lassen (was ich hier entsprechend kennzeichnen werde). Die Fotos sind im Regelfall also in keinerlei Hinsicht optimiert, damit man sich ein Bild davon machen kann, wie die Kamera generell mit solchen Variablen umgeht.

Fotografiert wurde immer mit Zeitautomatik (Blende vorgewählt) mit einer grundsätzlichen Belichtungskorrektur von -0.3 Blendenstufen bei Mehrfeldmessung (eine weitere Variable). Der Farbmodus war auf Standard eingestellt.

Nun folgt ein Bilderpaar, das ich in SPP 5.0 mit der Belichtungsautomatik entwickelt habe.

dp2x_04_auto
DP2x: Blende 2.8, 1/250s bei ISO 100.
dp2s_04_auto
DP2s: Blende 2.8, 1/320s bei ISO 100.

Hier scheint sich das Verhältnis umzukehren. Die Farbwiedergabe der DP2x erscheint wärmer, angenehm, würde ich sagen, keineswegs in Richtung magenta. Besser kann man grün bei trübem Wetter kaum wiedergeben. Die DP2s belichtet hier etwas kürzer, vor allem das grüne Gras erscheint zu kühl. Könnte das vielleicht bedeuten, dass die Automatik der Sigma Software besonders gut auf das Analog Front End der DP2x abgestimmt ist?

Ein weiteres Beispiel mit Automatik:

dp2x_02_auto
DP2x, Blende 2.8, 1/320s bei ISO 100.

 

dp2s_02_auto
DP2s: Blende 2.8, 1/800s bei ISO 100.

Hier hat die DP2s zunächst einmal viel knapper belichtet. Die Software hat das automatisch ausgeglichen, so dass die Bilder sich nur geringfügig unterscheiden. Auch hier ist das Bild der DP2x eine Spur wärmer, aber das ist kaum sichtbar.

Um nur ganz am Rande das Thema Auflösung zu streifen, ohne es zu kommentieren, zeige ich noch einen Ausschnitt des Bildes. Für die 100% Ansicht bitte das Bild anklicken.

dp2x_dp2s_02_auto_crop

Nach dem Schock des ersten Bildes ergibt sich inzwischen ein etwas differenzierteres Bild. Wer sich für die DP2x interessiert, darf also erst einmal erleichtert durchatmen.

Hier ein weiteres Bild mit automatischer Korrektur durch SPP 5.0:

dp2x_01_auto
DP2x: Blende 2.8, 1/320s bei ISO 100.
dp2s_01_auto
DP2s: Blende 2.8, 1/320s bei ISO 100.

Abgesehen von der Erkenntnis, dass beide Kameras doch exakt gleich belichten können, und dass eine Schnecke in der Zeit, die zwischen den beiden Fotos verstrichen ist, eine erstaunliche Strecke zurücklegt, bringt die DP2x hier doch wieder ein bisschen mehr magenta ins Spiel. Das Bild der DP2s wirkt minimal neutraler. Dafür sind die Farben im Bild der DP2x etwas kräftiger (grün im Hintergrund). Beides ist für sich genommen ok.

Ein weiterer Auswurf der SPP-Automatik:

dp2x_03_auto
DP2x: Blende 2.8, 1/100s bei ISO 400.
dp2s_03_auto
DP2s: Blende 2.8, 1/160s bei ISO 400.

Und nun sind wir wieder so schlau wie vorher. Die Farbwiedergabe der DP2s ist hier weitaus realistischer. Wieder geht die DP2x zu sehr ins Rötliche, sehr schön zu sehen an den Steinplatten, den Blumentöpfen und den gelb-roten Blüten.

dp2x_dp2s_03_auto_crop
Für 100% Ansicht bitte anklicken.

Der Ausschnitt zeigt deutlich, dass die DP2x es zu gut mit den Rottönen meint. Aber in anderer Hinsicht hat sie die Nase vorn. Bei ISO 400 rauscht die DP2x sichtbar weniger als die DP2s. Zumindest wirkt das Bild etwas sauberer. Setzt hier die Rauschunterdrückung anders an? Oder liegt es daran, dass die DP2s hier knapper belichtet hat? Anhand eines einzigen Bildes kann man diese Frage natürlich nicht beantworten, deshalb werde ich die Leistung bei höheren Empfindlichkeiten in einem weiteren Artikel gesondert unter die Lupe nehmen.

 

dp2x_05_x3f
DP2x: Blende 2.8, 1/250s bei ISO 100.

 

dp2s_05_x3f
DP2s: Blende 2.8, 1/320s bei ISO 100.

Nun hat es ein Ende mit den automatischen Korrekturen der Software. Dies sind wieder Bilder, wie der RAW-Konverter sie direkt aus der Kamera übernimmt. Es ist auf Anhieb zu sehen, dass die DP2s die gelben Blüten tatsächlich gelb abbildet, vielleicht nicht ganz so gelb, wie sie in Wirklichkeit waren, aber immerhin. Bei der DP2x wirkt die Blume blasser. Auch bei diesem Bild geht die DP2x wieder leicht ins Rötliche, außerdem belichtet sie etwas länger als die DP2s.

Und nun das vorerst letzte Bild, ebenfalls ohne Korrekturen:

dp2x_06_x3f
DP2x: Blende 8, 1/125s bei ISO 100.
dp2s_06_x3f
DP2s: Blende 8, 1/160s bei ISO 100.

Es ist wie verhext. Hier gefällt mir die DP2x farblich besser. Das Gras ist wirklich saftig grün, einen Farbstich kann ich nicht erkennen. Das Bild der DP2s wirkt etwas blass. Wieder hat die DP2s etwas knapper belichtet, was aber diesmal ein Nachteil zu sein scheint.

Und damit bin ich auch schon am Ende meiner ersten Vergleichsreihe angelangt. Ich muss zugeben, ich werde aus den Bildern nicht schlau. Zu wechselhaft sind die Ergebnisse. Es gibt definitiv Unterschiede bei der Farbwiedergabe beider Kameras, aber diese Unterschiede sind nicht in einer Weise konstant oder reproduzierbar, dass man sagen könnte, die eine Kamera mache regelmäßig bessere Fotos als die andere. Vielleicht ist die durch den automatischen Weißabgleich eingeführte Variable einfach zu unberechenbar. Das gilt es bei der nächsten Testreihe zu berücksichtigen.

Was soll man nun vom Analog Front End halten? Keine Ahnung. Bei mir wirft es eher Fragen auf, statt Antworten zu geben. Das war aber auch schon bei der SD15 der Fall.

Was man aber mit Sicherheit schon jetzt feststellen kann, ist die Konkurrenzfähigkeit der DP2s. Da gibt es nicht den geringsten Zweifel. Um der DP2s den Rang abzulaufen, muss die DP2x schon mehr bieten. Ob sie das kann, darauf werde ich in einem weiteren Artikel eingehen. Da ich den noch nicht in Angriff genommen habe, nehme ich gerne Anregungen entgegen. Ach ja, und etwas Sonnenschein könnte auch nicht schaden.


Es folgen noch zwei RAW-Dateien (Metallvogel bei ISO 400), die zur eigenen Bearbeitung und Ansicht heruntergeladen werden können.

Download:

dp2x_03.x3f (16,9 MB)

dp2s_03.x3f (11,2 MB)


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2 thoughts on “Erste Vergleichsbilder: Sigma DP2x vs. Sigma DP2s

  1. Ralf

    Herzlichen Dank für den Vergleich!!! Der Unterschied ist sichtbarer als ich ihn erwartet hätte – bei der Bewertung gebe ich dir Recht. Das grün auf den Landschaftsaufnahmen sieht wirklich angenehmer aus – der Magenta-Stich dagegen ist weniger schön.
    Wie sieht es mit dem Handling aus? Ist der Autofokus schneller/treffsicherer (v.a. bei schlechteren Lichtverhältnissen)? Wie schlagen sich die beiden bei guten Lichtverhältnissen aus (dazu müsste es allerdings mal Sommer werden…) und wie bei eher schlechten? Wenn da irgendwie möglich ist, wären zwei RAWs auch super zum vergleichen.

    Grüße,
    Ralf

  2. Marco Schwinning

    Ich habe zwei RAW-Dateien zum Download für eigene Bearbeitungen hinzugefügt. Viel Spaß damit.

    Gruß, Marco

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