Still Got The Blues – nur eine alte Gitarre

Es ist bloß eine Gitarre. Sie ist nicht besonders schön, sie klingt nicht außergewöhnlich und sie lässt sich nicht besonders gut spielen. Aber aus irgendeinem schwer in Worte zu fassenden Grund ist sie mir ans Herz gewachsen. Wenn ich richtig informiert bin, handelt es sich um eine Greco GR-4, die in etwa aus dem Jahr 1965 stammt – also ist sie sogar noch ein paar Jahre älter als ich.

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Greco by Goya Guitars.

Diese Greco hat nichts mit der japanischen Gitarrenmarke Greco zu tun, unter deren Namen vor allem in den 1970er Jahren gute Kopien amerikanischer E-Gitarren erschienen. Meine Greco gehörte zum Billig-Label der amerikanischen Gitarrenfirma Goya (Hershman Musical Instrument Company, New York). Goya, Greco – ja richtig, die Namen wurden wahrscheinlich in Anlehnung an die berühmten Maler Francisco de Goya und El Greco gewählt.

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Die Greco Gitarren wurden in damaligen Billiglohnländern gebaut, so auch meine GR-4, die aus Jugoslawien stammt. Verkauft wurde sie laut Katalog aus dem Jahr 1965 für $69,50. Sie besitzt eine Fichtendecke, Hals und Korpus sind aus Ahorn, Griffbrett und Steg aus Palisander.

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Und sie sah nicht immer so aus wie jetzt. Ursprünglich trug sie eine dicke Sunburst-Lackierung, Korpus, Hals und Kopf waren schwarz. Die Lackierung der Decke wies starke Risse auf und war, wie gesagt, sehr dick. Das gab der Gitarre einen gedrungenen, muffigen Klang. Also entschloss ich mich irgendwann, die Lackschicht abzutragen, um das Holz darunter wieder ein wenig atmen zu lassen.

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Auch den Hals und den Kopf habe ich – so gut es ging –  vom Lack befreit. Dabei wurde zwangsläufig auch das Greco Logo entfernt. Den Korpus ließ ich schwarz, allerdings habe ich den ursprünglichen Hochglanz dezent abgemattet. Die Mechaniken musste ich durch neue, aber stilechte ersetzen. Die Bilder zeigen, was dabei herausgekommen ist.

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Sie ist keine Schönheit. Sie ist übersät mit Rissen, Macken, Kratzern – die Falten einer alten Dame. Sie gefällt mir nun so, wie sie ist. Sie klingt auch viel besser als vorher. Ich würde sagen, sie klingt unnachahmlich alt. Ein bisschen nach Ahorn vielleicht, etwas topfig eben, aber durchaus brillant. Sie hat den Blues, mehr braucht man nicht zu sagen.

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Da es sich hier um ein Fotojournal handelt, will ich aber auch noch ein paar Worte zur Fototechnik verlieren. Als Kamera kam die Sigma DP2x zum Einsatz, gar nicht mal die ideale Kamera für solche Fotos, da man mit ihr nur bis auf 30cm an das Objekt heran kann, aber ich hatte eben Lust, mit ihr zu fotografieren, schließlich ist sie nagelneu.

Fotografiert habe ich mit Stativ, alle Aufnahmen sind bei ISO 100 mit automatischem Weißabgleich entstanden, der Farbmodus war auf Standard eingestellt. Die Bearbeitung der RAW-Dateien erfolgte mit Sigma Photo Pro 5.0. Bei der Bearbeitung habe ich mich dann doch für den neutralen Farbmodus entschieden und außerdem den berühmten FillLight-Regler negativ eingesetzt, was eher weiche, dunkle Bilder mit starken Kontrasten ergibt – genau, wie ich es wollte, nämlich vor allem schwarze Schatten.

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4 thoughts on “Still Got The Blues – nur eine alte Gitarre

  1. Ralf

    Klasse Aufnahmen – da bekomme ich sofort Lust meine alte Gitarre auch mal wieder vom Dachboden zu holen….

    Hast du die DP2s noch? Falls ja, wären ein paar Vergleichsaufnahmen von DP2s DP2x mit exakt gleichen Einstellungen sehr interessant.

    Ich möchte mir vor meinem Urlaub gern noch eine DP2 zulegen, nur ob es eine „“, „s“ oder „x“ werden soll weiß ich noch nicht… Bis jetzt habe ich nirgends Vergleichsaufnahmen gefunden. Welchen Unterschied macht das AEF aus?

    Grüße,
    Ralf

  2. Marco Schwinning

    Hallo Ralf,

    ich arbeite daran. Vielleicht kann ich noch am Wochenende die ersten Vergleichsaufnahmen zeigen, allerdings komme ich gerade überhaupt nur zwischen Tür und Angel zum Fotografieren – und vom Wetter rede ich mal gar nicht …

    Ich glaube aber jetzt schon sagen zu können, dass die DP2s und die DP2x bei der Bildqualität auf Augenhöhe sind. Wie auch nicht? Die DP2s (sogar die DP2) ist ja diesbezüglich bereits eine tolle Kamera.

    Was das Analog Front End letztlich bewirkt, ist mir nach wie vor nicht ganz klar. Da wäre Sigma eigentlich in der Pflicht, etwas zu zeigen.

    Ein Vorteil der DP2x ist aber auf jeden Fall die neue Firmware mit der Möglichkeit, die Autofokus Messfelder individuell zu gestalten. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich praxisrelevant ist. Immerhin macht es einen guten Eindruck.

    Also, wie gesagt, der Vergleich kommt, wahrscheinlich dann häppchenweise (JPEG, High ISO, Farbe, Weißabgleich, Handling, Geschwindigkeit usw.).

    Gruß, Marco

  3. Ralf

    Super – bei mir eilt es nicht. Vor Ende September bekomme ich eh nicht frei. Mit meiner DP1s bin ich mittlerweile sehr zufrieden. Anfänglich war eine Umstellung notwendig, aber mittlerweile gelingen da beeindruckende Aufnahmen. Deswegen auch mein Wunsch mir noch eine DP2 dazu zu gönnen.
    Was das Analog Front End wirklich bewirkt, darüber ist nichts zu finden – deswegen wären Vergleichsaufnahmen sehr interessant.

    Ein schönes Wochenende!
    Gruß, Ralf

  4. Marco Schwinning

    Die ersten Vergleichsbilder von DP2x und DP2s sind nun online. Weitere werden sicherlich noch folgen, sobald ich Zeit dafür finde.

    Gruß, Marco

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