Neu eingetroffen: Sigma EX 1.4/30 DC

Das Sigma EX 1.4/30 DC genießt keinen besonders guten Ruf. Die Tester von photozone.de z.B. vergeben für die optische Qualität gerade einmal zwei von fünf möglichen Sternen. Damit wird die recht teure Festbrennweite schlechter bewertet als die meisten Standardzooms, die nicht nur einen größeren Brennweitenbereich abdecken, sondern auch weitaus günstiger zu kaufen sind. Warum also ist das Objektiv überhaupt noch auf dem Markt?

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Sigma EX 1.4/30 DC für Pentax.

Nun, es scheint immer noch Leute zu geben, die wie ich auf den vermeintlich faulen Zauber fester Brennweiten mit großer Blendenöffnung hereinfallen. Und um ehrlich zu sein, ich fühle mich dabei ganz gut, denn ich mag dieses Objektiv und bin mit den Ergebnissen, die es produziert, mehr als zufrieden.

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Pentax K-5: Blende 1.8, 1/8000s bei ISO 80.

Sind nun etwa die Objektiv-Tester verrückt – oder bin ich es womöglich? Ich denke, um diesen Titel müssen wir uns nicht streiten. Nüchtern betrachtet, hat das Objektiv sowohl Qualitäten als auch Mängel, und es scheint eine Frage der Gewichtung zu sein, wie man zu seinem Urteil kommt. Bei photozone.de bemängelt man die schwache Abbildungsqualität eigentlich über den gesamten Bildbereich – mit Ausnahme der Bildmitte, die hervorragend scharf ist. Ohne das Objektiv daraufhin getestet zu haben, würde ich das bereitwillig unterschreiben, und gewiss, eine solche Performance ist für ein modernes Objektiv nicht mehr zeitgemäß.

Aber ohne nun eine Diskussion über den Begriff optischer Leistung anzustoßen, möchte ich anmerken, dass ganz andere Kriterien für die Bewertung eines Objektivs den Ausschlag geben können.

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Pentax K-5: Blende 1.8, 1/4000s bei ISO 80.

Ich besitze das Zeiss ZM Sonnar 1.5/50 für Leica M-Mount, ein Objektiv, dem man getrost einige Schwächen nachsagen kann – aber wer damit fotografiert, liebt es für seine in keinster Weise messbare Bildanmutung. Man spricht in einem solchen Fall von einem gewissen Charakter des Objektivs. Das mag objektiv nicht einmal gerechtfertigt sein, oder aber man treibt es auf die Spitze und geht so weit zu behaupten, dass der Charakter eines Objektivs gerade aus seinen Schwächen resultiert, die sich in ihrer Summe, zu etwas ungreifbar Eigenem verbinden.

Und nun, da ich die provokante These zur Genüge vorbereitet habe, lasse ich mich zu der gewagten Bemerkung hinreißen, dass jenes oft geschmähte Objektiv aus dem Hause Sigma in meinen Augen Charakter hat. Ich hoffe nur, dass niemand auf die Idee kommt, eine Begründung von mir zu verlangen, denn begründen lässt sich das so gut wie gar nicht.

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Pentax K-5: Blende 1.8, 1/8000s bei ISO 80.

Die Variante für Pentax ist im Gegensatz zu anderen Anschlüssen ohne Ultraschallmotor. Warum das so ist, weiß ich natürlich nicht. Es geht jedenfalls auch ohne, das Objektiv fokussiert schnell, zuverlässig und ohne übermäßigen Lärm.

Natürlich gibt es auch im Pentax-Lager Konkurrenz für den Brennweitenbereich um 30mm, allen voran das fast schon legendäre Pentax FA 1.8/31 Limited. Ich will gerne glauben, dass dieser Überflieger dem Sigma in so ziemlich jeder Hinsicht überlegen ist – allerdings auch im Preis. Während ich das Sigma 1.4/30 neu für – sensationelle – 220 Euro erwerben konnte (bei einem gewöhnlichen Straßenpreis von ca. 350 Euro), ist das 1.8/31 Limited nicht unter 1000 Euro zu bekommen. Das ist schon ein Unterschied. Bis ich den verschmerzen kann, berausche ich mich an meinem billigen, unzeitgemäßen Sigma.

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Pentax K-5: Blende 8, 1/800s bei ISO 80.

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