Sigma DP2x versus Sigma DP2s – Teil 2

Endlich Sonne! Wer eine Sigma-Kamera sein Eigen nennt, weiß das grelle Licht, die starken Kontraste, die kräftigen Farben und natürlich den blauen Himmel zu schätzen. Keine Zeit für Müßiggang also, sondern schnell die kleine Fototasche gepackt, rauf aufs Fahrrad und rein in die Natur. Mit dabei: die Sigma DP2x und die Sigma DP2s, denn der Vergleich der beiden Schwestern geht in die zweite Runde.

Dabei stelle ich auch zum ersten Mal JPEGs direkt aus der Kamera nebeneinander. Zwar gilt die kamerainterne JPEG-Verarbeitung bei Sigma traditionell als schwach, aber umso interessanter die Frage, ob Sigma da mit der DP2x nachgebessert hat. Davon ab, so dürftig fand ich den JPEG-Output meiner DP2s im Vergleich mit der Olympus E-P1 nun auch nicht. Ich würde eher sagen, dass man bei Sigma durch den Informationsgehalt der RAW-Dateien zu verwöhnt ist, um sich mit JPEGs aus der Kamera zu begnügen.

Fangen wir gleich mit einigen Beispielen direkt aus der Kamera an.

dp2x_18_ooc
DP2x: Blende 11, 1/200s bei ISO 100, Belichtungskorrektur: -0,3.
dp2s_18_ooc
DP2s: Blende 11, 1/250s bei ISO 100, Belichtungskorrektur: -0,3.

Die DP2s belichtet – wie bereits festgestellt – grundsätzlich etwas knapper. Von der Farbcharakteristik her sind sich beide Aufnahmen diesmal sehr ähnlich. Wenn man einen 100% Ausschnitt betrachtet, sieht man aber tatsächlich einen Unterschied.

dp2x_dp2s_18_crop
Für 100% Ansicht bitte anklicken.

Beide Kameras waren auf Werkseinstellungen gesetzt. Alle Regler zur Feineinstellung des JPEG-Outputs (Kontrast, Schärfe, Farbsättigung) waren in neutraler Mittelstellung. Das Bild der DP2x (rechts) weist stärkere Kontraste auf und ist außerdem etwas stärker geschärft. Von der Auflösung her gibt es meiner Meinung nach keinen Unterschied, nur die kamerainterne Bearbeitung der DP2x geht etwas aggressiver zu Werke. Im Idealfall wird das Ergebnis dadurch etwas knackiger, so dass es auch ohne weitere Nachbearbeitung einen guten Eindruck macht. Sigma arbeitet also offensichtlich an der kamerainternen JPEG-Verarbeitung.

Um diesen Eindruck zu untermauern, gleich ein zweites Beispiel.

dp2x_20_ooc
DP2x, Blende 11, 1/100s bei ISO 100, Belichtungskorrektur: -0,3.
dp2s_20_ooc
DP2s: Blende 11, 1/125s bei ISO 100, Belichtungskorrektur: -0,3.
dp2x_dp2s_20_crop
Für 100% Ansicht bitte anklicken.

Bei diesem Ausschnitt sieht man es sehr deutlich. Das Bild der DP2x wirkt im Vergleich zum Bild der DP2s viel schärfer. Wie gesagt, es handelt sich dabei um Werkseinstellungen, die Bilder wurden nicht nachbearbeitet.

Allerdings muss man auch feststellen, dass die DP2x von Werk aus anfälliger für ausgefressene Spitzlichter ist.

dp2x_21_ooc
DP2x, Blende 6.3, 1/30s bei ISO 100, manueller Weißabgleich.
dp2s_21_ooc
DP2s: Blende 6.3, 1/40s bei ISO 100, manueller Weißabgleich.

Die DP2x liefert in diesem Beispiel sehr kräftige Farben, aber die etwas konservativere Abstimmung der DP2s bewahrt mehr Information in den Spitzlichtern der Steine im Vordergrund. Grundsätzlich sollte das aber auch für die DP2x kein Problem sein, wenn man die Kamera entsprechend einstellt. Während die DP2s von vornherein knapper belichtet und daher keine negative Belichtungskorrektur benötigt, sollte man bei der DP2x manuell eingreifen. Eine Belichtungskorrektur von -0.3 bis -0.7 erscheint mir durchaus angemessen. Eventuell kann man bei den Feineinstellungen für JPEG-Output auch den Kontrast ein wenig reduzieren. Dann sollte man auch mit der DP2x auf der sicheren Seite sein.

Ein Wort noch zum obigen Motiv. Es handelt sich um die Mündung des Rotbachs in den Rhein. Das Flussbett hat wirklich eine stark rötliche Färbung. Die Lichtverhältnisse empfand ich als äußerst schwierig: eine Mischung aus direktem Sonnenlicht und Schatten. Daher entschied ich mich für einen manuellen Weißabgleich.

Bevor ich weitere Aufnahmen – dann allerdings ausgehend vom RAW-Format – zeige, möchte ich ganz beiläufig ein paar Bemerkung zur Performance der DP2x einstreuen. Das betrifft natürlich insbesondere den Autofokus. Ist er schneller, zuverlässiger als der Autofokus der DP2s?

Darauf gibt es eine klare Antwort: jein! Ich empfinde den Autofokus der DP2x als geringfügig schneller. Mit geringfügig meine ich, dass der Zuwachs an Geschwindigkeit spürbar, aber nicht wirklich praxisrelevant ist. Der Autofokus der DP2s ist im Grunde schon schnell genug. Das reicht nicht für bewegte Motive, aber das tut der Autofokus der DP2x auch nicht. Der Geschwindigkeitszuwachs bringt also keinen echten Vorteil, er fühlt sich nur gut an.

Weiterhin empfinde ich den Autofokus der DP2x bei schwacher Beleuchtung als zuverlässiger. Ich hatte inzwischen die Gelegenheit, in regelrechtem Schummerlicht zu fotografieren, und da brauchte der Autofokus der DP2s manchmal ein wenig Überredung, während die DP2x problemlos fokussierte. Das ist eine feine Sache. Vieleicht liegt es daran, dass mit der neuesten Firmware die DP2x über die Möglichkeit verfügt, Autofokusmessfelder als Spot zu definieren. Ob es wirklich genauer funktioniert oder einfach nur besser aussieht, weiß ich nicht. Für die DP2s gibt es ein solches Firmware Update bislang nicht.

Außerdem fokussiert die DP2x etwas leiser. Aber das betrifft nicht nur die Fokussierung. Wenn ich meine DP2s einschalte, macht das Herausfahren des Objektivs einen Höllenlärm. Bei der DP2x klingt das weitaus angenehmer, weniger krank, d.h. immer noch krank, aber nicht sterbenskrank.

Beim Speichern der Daten ist die DP2s minimal schneller, wirklich minimal, allerdings sind die Dateien der DP2x in der Regel auch größer. Trotzdem reagiert die DP2x etwas schneller. Man kann sie unmittelbar nach dem Auslösen ausschalten, das Objektiv fährt sofort in die Ruhestellung zurück, während die Daten noch gespeichert werden. Auch die DP2s kann man sofort nach dem Auslösen ausschalten, doch der Abschaltvorgang wird erst eingeleitet, wenn das Speichern der Daten abgeschlossen ist.

Nun aber wieder ein paar Fotos. Auch hier kam es mir vor allem auf die Farbwiedergabe und den Gesamteindruck an. Da ich bei den folgenden Bildern wieder auf das X3F-Format zurückgegriffen habe, weisen die Dateien natürlich einen größeren Bearbeitungsspielraum auf als fertige JPEGs. Zum Teil habe ich von dieser Möglichkeit auch Gebrauch gemacht, allerdings, habe ich bei keinem Bild die Farbcharakteristik verändert.

Übrigens habe ich ernsthaft erwogen, ein kleines Ratespielchen zu veranstalten. Kann man die Fotos der DP2x mit Sicherheit von den Fotos der DP2s unterscheiden? Und wenn ja, worin zeigt sich ein Unterschied?

dp2x_08_x3f
DP2x: Blende 4, 1/500s bei ISO 100.
dps2_08_x3f
DP2s: Blende 4, 1/800s bei ISO 100.

Dieses Bilderpaar wäre beim Raten ein erster Kandidat für eine krasse Fehleinschätzung gewesen. Denn hier weist offensichtlich die DP2s jenen Magentastich auf, welcher der DP2x nachgesagt wird. Ich will es nicht dramatisieren, aber das zweite Bild (DP2s) ist insgesamt zu rötlich, besonders der Sand. Woran liegt das? Nun, in diesem Fall habe ich mich nicht auf den automatischen Weißabgleich verlassen, sondern manuell die Einstellung Tageslicht (Sonne) gewählt. Anscheinend geht die DP2x damit besser um.

dp2x_15_custom

DP2x: Blende 11, 1/100s bei ISO 50.

dp2s_15_custom
DP2s: Blende 11, 1/100s bei ISO 50.

Auch hier ein ähnliches Ergebnis. Das Bild der DP2x ist etwas wärmer, das Grün kräftiger – dafür ist vielleicht der Himmel der DP2s schöner. Das ist letzlich eine Geschmacksfrage. Wichtig erscheint mir jedoch, dass von einem Magentastich bei der DP2x keine Rede sein kann, zumindest wenn man auf den automatischen Weißabgleich verzichtet.

dp2x_14_custom
DP2x: Blende 11, 1/50s bei ISO 50.
dp2s_14_custom
DP2s: Blende11, 1/60s bei ISO 50.

 

dp2x_13_custom
DP2x: Blende 11, 1/100s bei ISO 100.
dp2s_13_custom
DP2s: Blende 11, 1/160s bei ISO 100.
dp2x_16_auto
DP2x: Blende 11, 1/80s bei ISO 100.
dp2s_16_auto
DP2s: Blende 11, 1/125s bei ISO 100.
dp2x_09_x3f
DP2x: Blende 4, 1/500s bei ISO 100.
dp2s_09_x3f
DP2s: Blende 4, 1/800s bei ISO 100.

Bei all diesen Bilderpaaren ist die DP2x etwas kühler abgestimmt. Für den Weißabgleich wurde immer die Einstellung Tageslicht gewählt. Zum Schluss noch ein Bilderpaar mit automatischem Weißabgleich – wo sich das Verhältnis wieder umkehrt.

dp2x_17_custom
DP2x: Blende 1.8, 1/80s bei ISO 50.
dp2s_17_custom
DP2s: Blende 2.8, 1/125s bei ISO 50.

Zeit für ein kleines Fazit. Wenn es einzig und allein um die Bildqualität geht, bietet die DP2x gegenüber der DP2s keine nennenswerten Vorteile. Die Farbabstimmung ist leicht unterschiedlich, doch der Unterschied ist keineswegs dramatisch. Wenn man ohnehin im RAW-Format fotografiert, ist es problemlos möglich, die Farbcharakteristik bereits im RAW-Konverter zu verändern.

In der Handhabung weiß die DP2x etwas besser zu gefallen. Hier wurde an einigen Stellen nachgebessert. Wer allerdings mit der DP2s nicht glücklich wird, weil sie zu langsam oder zu laut ist, der wird auch an der DP2x keine größere Freude haben, zu geringfügig sind die Verbesserungen.

Was nun noch fehlt, ist ein Vergleich der beiden Kameras bei hohen Empfindlichkeiten. Da ergibt sich jedoch folgendes Problem. Mir sind bisher nur zwei RAW-Konverter bekannt, welche die Dateien der DP2x verarbeiten können: Sigma Photo Pro und Adobe Camera Raw. Beide sind nicht meine erste Wahl, wenn es um High ISO mit Foveon Sensoren geht, denn beide bekommen die typischen Farbflecken bzw. -streifen in grün/magenta nicht in den Griff. In dieser Hinsicht ist Silkypix eindeutig besser, aber wie gesagt, auch Silkypix unterstützt bisher nicht die Dateien der DP2x, das gilt auch für die neueste Testversion von Silkypix 5.

Mir ist also noch nicht ganz klar, wie ich vorgehen soll. Denn eins hat sich mit Sicherheit nicht geändert: die Bilder von Foveon Sensoren benötigen bei höheren Empfindlichkeiten eine recht intensive Nachbearbeitung, um noch ansehnlich zu sein, es sei denn, man weicht auf schwarzweiß aus. Hier als Vorgeschmack verschiedene Bearbeitungen eines Exponats der Ausstellung Magische Orte im Gasometer Oberhausen.

dp2x_22_iso1600_spp5
DP2x: Blende 2.8, 1/60s bei ISO 1600. RAW-Entwicklung in SPP 5.
dp2s_22_iso1600_silkypix
DP2s: Blende 2.8, 1/125s bei ISO 1600. RAW-Entwicklung in Silkypix DS 4 Pro.

 


Download:

dp2x_23.x3f (17,1 MB)

dp2s_23.x3f (14 MB)


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4 thoughts on “Sigma DP2x versus Sigma DP2s – Teil 2

  1. Max

    Danke für die interessanten und ausführlichen Tests.

    Mit meiner DP2x komme ich leider noch nicht gut zurecht.

    Konkret tauchen bei Langzeitbelichtungen von einigen Sekunden und niedirgen ISO (50!) pinke und grüne Pixel auf. Das passiert „nur“ bei SPP entwickelten RAWs, die JPGs der Kamera selbst filtern diese perfekt weg, das allerdings bei generell schwächeren Bildwerten als bei RAWs.

    Vor alem bei Nachtaufnahmen mit Stativ und langen Belichtungen ein für mich grober Fehler, der mir bisher in den Foren/Testberichten nicht untergekommen ist (die Rede ist meist von jenden pink/grünen Flecken bei höheren ISO).

    Mein Posting dazu mit Beispielbild auf dpreview:
    http://forums.dpreview.com/forums/readflat.asp?forum=1027&thread=39496990

    Soweit, hoffe es finden sich Lösungen, ich werde das auch mit Silkypix mal versuchen…

  2. Schöne dreiteilige Berichterstattung über den Vergleich der der DP2s mit der DP2x! Ich kann praktisch allem zustimmen was Du über die DP2x berichtest – von den Streifen bei ISO 3200 bis hin zur Farbabstimmung und dem AF.

    Eines ist für mich dennoch ungelöst: Die Dynamik und die Spitzlichter … das Flußbett (und generell das ganze Bild) im obigen Beispiel ist bei der DP2x deutlich kontraststärker … die Tiefen schwärzer, die Lichter eher ausgefressen. Das gilt bei mir auch für RAWs innerhalb von SPP5. Hast Du bei der DP2s ebenfalls SPP5 verwendet? Ich habe den Eindruck, die Dynamik sei von SPP 5 zu 5.0.1 zu 5.1 stets ein ganz klein wenig besser geworden. Insgesamt bleibt der Eindruck jedoch bestehen und ich müßte noch experimentieren, inwiefern es der Konverter oder die Kamera ist, und ob die DP2x-Rohdaten nur weniger Bildinformationen in den Lichtern zeigen, zugunsten von besserem Kontrast und klarerem Bildeindruck, oder tatsächlich weniger besitzen. Hast Du weitere Versuche gemacht, ob dies der Fall ist, der Verarbeitung hinter dem neuen AFE zuzuschreiben ist, etc?

    VG,
    Robin

  3. Miesmann

    @Robin: Die ausgefressenen Spitzlichter bekommt man durch nachträgliche Bearbeitung nicht unter Kontrolle. Da hilft auch kein Silkypix. Nach meiner Erfahrung schafft allein eine deutlich knappere Belichtung (also Unterbelichtung) Abhilfe. Durch die Hohe Dynamik der RAW-Files lässt sich die bewusste Unterbelichtung kompensieren, ohne das die ausgefressenen Spitzlichter aufdringlich werden. Generell belichte ich mit den DP´s mindestens 0,3 Blenden unter. Immer. In der Praxis fällt dies kaum ins Gewicht, verhindert aber die unangenehmen Lichtflecken.
    Grundsätzlich finde ich die DP2s Bilder durch die Bank ansprechender. In der Summe sollte niemand der komfortabel knipsen möchte zu einer Sigma greifen. Wer hingegen echt gute Bildqualität sucht, kommt an Sigma nicht vorbei.

  4. Unterbelichten schön und gut. Das muß ich aber mit den Vorgängern nicht und davon halte ich auch nicht viel. Hast Du nun die gleichen SPP-Versionen für die DP2s und die DP2x-Bilder verwendet? Dann scheint es wirklich so zu sein, daß bei der DP2x etwas mehr Dynamik auf der Strecke bleibt. Und ja, die Bilder der DP2s sind auch in meinen Augen stimmiger. Bei der DP2x hat man wohl versucht den typischen Farbstichen entgegenzuwirken, was oft klappen mag, aber auch oft ins Magenta kippt. Letztlich würd ich das dann lieber selbst korrigieren und ziehe die DP2s vom Bilde her vor, wegen der besseren Dynamik. Farben und Kontrast bringe ich da schon selbst rein. Na gut, nu hab ich die DP2x … und immerhin fokussiert die prima! ^^ Aber schon ärgerlich wegen der Dynamik … Mal schauen, ob die DPxM besser abschneiden … denn die SD1 scheint die gleiche reduzierte Dynamik zu zeigen.

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