Sigma DP2x versus DP2s – Teil 3: High ISO

Das fehlte mir noch zu meinem Glück: ein Vergleich der DP2x mit der DP2s bei hohen Empfindlichkeiten. Ganz ehrlich, wenn ich weiß, dass ich zum Fotografieren auf hohe Empfindlichkeiten angewiesen bin, greife ich in der Regel nicht auf eine Sigma Kamera – egal welche! – zurück. Da gibt es definitiv bessere Optionen. Insofern ist dieser abschließende Teil meines Vergleichs ein bloßes Notfall-Szenario.

Was wäre, wenn es gar nicht anders ginge? Wenn eben nur die DP2x oder die DP2s zur Hand wären? Gibt es eine realistische Chance, brauchbare Ergebnisse zu erzielen? Und was muss man dafür tun, mit welchen Schwierigkeiten muss man rechnen? Bringt das von Sigma eingeführte Analog Front End der DP2x gegenüber der DP2s sichtbare Verbesserungen bei hohen Empfindlichkeiten?

Ich habe das Gefühl, zunächst einmal eine ganze Reihe von Erläuterungen abgeben zu müssen, bevor ich zu den Bildern komme. Das liegt an dem sehr speziellen Rauschverhalten des Foveon Sensors. Dabei ist eigentliches Rauschen nicht das Problem, denn das kriegt man ganz gut in den Griff. Woran sich alle mir bekannten RAW-Koverter die Zähne ausbeißen, sind die farblichen Inkonsistenzen des Sensors bei schwachem Licht. Spätestens ab ISO 800 (oft auch schon darunter in Schattenpartien eines Bildes) machen sich – neben einer reduzierten Farbsättigung – grünliche und magentafarbene Flecken bzw. Streifen bemerkbar, die besonders gut (und störend) in an sich homogenen Flächen zu erkennen sind.

Dieses Problem ist am ehesten zu umgehen, wenn man die Farbe komplett aus dem Bild entfernt. Nun ist das nicht unbedingt Sinn der Sache, am Ende mit einer Handvoll Schwarzweißfotos dazustehen, aber wenn man mit dieser Beschränkung leben kann, ist das ein durchaus ansehnlicher Kompromiss. Wer sich damit nicht abfinden will, wird experimentieren und sehr viel Zeit und Mühe in die Bearbeitung der verseuchten Bilddateien investieren müssen.

Das beginnt mit der Suche nach dem idealen RAW-Konverter, denn hier – ich drücke es mal drastisch aus – versagt Sigma Photo Pro einigermaßen kläglich. Ich meine, von der hauseigenen Software darf man erwarten, dass sie mit den offenkundigen Besonderheiten des Sensors am besten umgehen kann. Das ist jedoch keineswegs der Fall.

Die besten Erfahrungen habe ich mit Silkypix Developer Studio Pro gemacht, momentan noch in der Version 4 (die Version 5 steht aber wohl in den Startlöchern). Zwar werden auch mit Silkypix die Foveon-Dateien nicht 100%ig sauber, aber die Farbstörungen lassen sich immerhin auf ein fast erträgliches Maß reduzieren.

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DP2x: ISO 3200, entwickelt mit Sigma Photo Pro 5.

In diesem mit SPP 5 entwickelten Bild erkennt man noch gut die grünen Streifen, die magentafarbenen fallen kaum auf.

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DP2x: ISO 3200, entwickelt mit Silkypix Developer Studio Pro 4.

In der Silkypix-Version sind die grünen Streifen verschwunden. Ich würde das Bild als durchaus brauchbar bewerten, und das ist bei ISO 3200 und wirklich ungünstigen Lichtverhältnissen nicht schlecht für Sigma, zumal Silkypix zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Dateien der DP2x überhaupt nicht unterstützt.

Damit kommen wir zur eigentlichen Problematik dieses Vergleichs. Für die RAW-Dateien der DP2x gibt es außer Sigma Photo Pro und Adobe Camera Raw noch kein Bearbeitungsprogramm. Die Silkypix-Version oben ist bloß ein Workaround, mit dem ich diese Problem zu umgehen versucht habe, indem ich nämlich die originale X3F-Datei ins DNG-Format umgewandelt habe, welches ich dann in Silkypix bearbeiten konnte. Die Umwandlung konnte ich mit dem Adobe DNG Converter vornehmen, aber man sollte bedenken, dass dies einen zusätzlichen Arbeitsschritt erfordert, der das Ergebnis möglicherweise beeinträchtigt.

Bei den Dateien der DP2s sind solche Umstände natürlich nicht nötig, die meisten RAW-Konverter kommen mit dem Format zurecht. Man kann manchmal aber auch schon mit Sigma Photo Pro 5 ganz gute Ergebnisse erzielen.

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DP2s: ISO 3200, entwickelt mit Sigma Photo Pro 5.

Grundsätzlich kann man bei ISO 3200 gravierende Unterschiede in den Dateien der Sigma Dp2x und Dp2s feststellen, aber diese Unterschiede zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Zur Illustration ein weiteres Foto mit 100% Ausschnitt.

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DP2x: ISO 3200, entwickelt mit SPP 5, unbearbeitet.
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DP2s, ISO 3200,entwickelt mit SPP 5, unbearbeitet.
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Für 100% Ansicht bitte anklicken.

Zunächst einmal nehme ich an, dass die DP2s den Fokus nicht getroffen hat, zumal die Büste sich hinter Glas befand – allerdings weist das Bild überhaupt keine Schärfe auf. Die Schwierigkeiten der DP2s, bei schwachem Licht zu fokussieren, habe ich bereits in Teil 2 erwähnt. Die DP2x hatte hier nicht die geringsten Probleme. Der Weißabgleich war bei beiden Kameras auf Neonlicht eingestellt. Insgesamt ist die Datei der DP2x viel sauberer, viel homogener, die Farben sind viel besser – wenn doch nur nicht diese Farbfehler in magenta und grün wären. Die Rauschunterdrückung in Sigma Photo Pro 5 war hier komplett heruntergeregelt. Allerdings wird das Bild der DP2x auch mit voller Rauschunterdrückung nicht mehr viel besser. Deshalb habe ich es erneut mit Silkypix versucht.

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Für 100% Ansicht bitte anklicken.

Ich war selbst überrascht. Mit der Datei der DP2s (rechts) kann Silkypix in diesem Fall nichts anfangen. Zwar sind die pinkfarbenen Farbflecken verschwunden, insgesamt aber ist das Bild unbrauchbar.

Ganz anders das Bild der DP2x. Ich denke, mehr kann man aus der ursprünglichen Datei nicht machen. Das Ergebnis ist wirklich ansehnlich. Die Farbstörungen wurden entfernt, das Rauschen ist insgesamt gut kontrollliert, dem Bild blieb eine realistische Farbigkeit erhalten.

Ich kann nicht genau sagen, was bei der DP2s schiefgelaufen ist, aber mir scheint, dass das Ausgangsmaterial der DP2x bei ISO 3200 prinzipiell gutmütiger ist. Farbtreue, Dynamik und Rauschverhalten sprechen hier eindeutig für das neuere Modell. Und ohne genau zu wissen, was sich hinter dem Begriff verbirgt, schreibe ich diese Verbesserung gutgläubig dem Analog Front End zu. Allerdings ist bei der DP2x die Streifenbildung viel ausgeprägter als bei der DP2s, und es sind gerade diese Farbstreifen, die den RAW-Konvertern Schwierigkeiten machen. Silkypix zeigt, wie es einigermaßen vernünftig geht, also scheint es doch machbar zu sein.

Bei ISO 1600 sieht es ähnlich aus. Silkypix arbeitet gut mit den nach DNG konvertierten Dateien der DP2x, wogegen die X3F-Dateien der DP2s ziemlich bescheiden aussehen. Zum Glück kann man bei ISO 1600 schon wieder SPP 5 für die DP2s einsetzen.

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DP2x: ISO 1600, entwickelt mit Silkypix DS 4 Pro.
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DP2s: ISO 1600, entwickelt mit SPP 5.

Nun folgt ein Bilderpaar (ISO 1600), bei dem die Dateien beider Kameras in Sigma Photo Pro 5 entwickelt wurden.

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DP2x: ISO 1600, entwickelt mit SPP 5.
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DP2s: ISO 1600, entwickelt in SPP 5.

Das Bild der DP2s mutet hier doch etwas rustikal an: stärkeres Rauschen, sehr harte Gradation und leicht problematische Farben.  Das hat sogar einen gewissen nostalgischen Charme, fast wie ein altes Foto aus den seligen Tagen körnigen Farbfilms. Die Datei der DP2x ist da deutlich ausgewogener, moderner und bietet mehr Spielraum für eine vernünftige Bearbeitung.

SDIM0146_spp5_miko
DP2x: ISO 1600, entwickelt mit SPP 5.
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DP2s: ISO 1600, entwickelt mit SPP 5.

Auch diese zwei Bilder wurden in Sigma Photo Pro 5 entwickelt. Hier fällt im Bild der DP2s vor allem die gelb-grüne Verfärbung im Übergang zu den dunklen Schattenpartien auf.

Zum Abschluss ein Bilderpaar bei ISO 800, jeweils mit Sigma Photo Pro unter Verwendung der automatischen Korrektur  entwickelt, der Farbmodus wurde von neutral auf Standard geändert. Man sollte meinen, dass ISO 800 keine echten Probleme aufwirft, aber ganz so einfach und berechenbar ist das bei Sigma eben nicht.

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DP2x: ISO 800, entwickelt mit SPP 5.
SDIM0046_spp5_auto_miko
DP2s: ISO 800, entwickelt mit SPP 5.

Die DP2s offenbart hier bereits Schwierigkeiten. Es gibt schon bei ISO 800 die gelb-grünen Farbsäume im Übergang zu dunkeln Schattenpartien. Das Bild der DP2x wirkt außerdem klarer und schärfer.

Wie dem auch sei, vor einem kleinen Fazit sollte ich noch einmal auf die wirklich schwierigen Lichtbedingungen hinweisen, unter denen die Fotos entstanden. Fotografiert wurde in der Ausstellung Magische Orte im Oberhausener Gasometer bei sehr schwachem, undefinierbarem Kunstlicht. Hohe Empfindlichkeiten wurden hier nicht zu Testzwecken eingestellt, sie waren vielmehr erforderlich, da kein Stativ verwendet wurde.

Die DP2s hatte hier merklich Probleme. Schon der Autofokus kam an seine Grenzen, das Bildmaterial zeigt weitere Mängel insbesondere bei der Farbwiedergabe, aber auch hinsichtlich des Dynamikumfangs und des Luminanzrauschens (im Gegensatz zum Farbrauschen).

Die DP2x erwies sich unter diesen Bedingungen als die zuverlässigere Kamera mit klar besserer Bildqualität, allerdings auch nicht völlig ohne Probleme. Das deutlich sichtbare Farbrauschen in Form horizontaler Streifen, abwechselnd grün und magenta, ist ab ISO 1600 nur schwer zu bändigen. Sigma Photo Pro bekommt das nur unzureichend in den Griff, und Silkypix, der in dieser Hinsicht beste RAW-Konverter, unterstützt bislang noch nicht die X3F-Dateien der DP2x. Um Silkypix einzusetzen musste ich die RAW-Dateien der DP2x zunächst mit dem Adobe DNG Converter ins DNG-Format umwandeln, was nicht unbedingt eine ideale Vorgehensweise darstellt. Aber selbst dann liefert Silkypix bei ISO 3200 noch die besten Ergebnisse.

Ganz ohne Abstriche sind hohe Empfindlichkeiten also weder bei der DP2s noch bei der DP2x möglich. Man muss einigen Arbeitsaufwand investieren, um überhaupt zu halbwegs brauchbaren Resultaten zu kommen – möglich ist es aber schon. ISO 3200 sind extrem und alles andere als selbstverständlich. Man sollte derart hohe Empfindlichkeiten nur dort einsetzen, wo es überhaupt nicht mehr anders geht, und das gilt für andere Kameras in gleichem Maße. Niemand wird ernsthaft Sigmas DP-Serie mit einer Nikon D700 vergleichen wollen. Aber selbst mit eine D700 fotografiert man nicht ständig bei ISO 3200 (oder höher).

Sigma hat bei den hohen Empfindlichkeiten ordentlich nachgebessert. Das ist kein Quantensprung, doch den hat auch niemand erwartet. Die sichtbaren Verbesserungen darf man wohl getrost dem bereits mit der SD15 eingeführten Analog Front End zuschreiben. Rauschen ist bei ISO 3200 überaupt kein Problem. Problematisch sind bei der DP2x insbesondere die streifenförmigen Farbfehler, die es in dieser Form bei der DP2s noch nicht gegeben hat. Hier hat man zwar nicht unbedingt den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, aber doch mit den Verbesserungen ein vermeintlich kleineres Übel eingeführt, das nun selbst zum Ärgernis wird, erst recht, da die hauseigene Software dagegen kein Heilmittel hat.

Damit wäre mein Vergleich der Sigma DP2x mit der Sigma DP2s abgeschlossen. Ich behaupte nicht, dass er komplett sei. Vielleicht ergänze ich ihn bei Gelegenheit noch um einzelne Aspekte, aber der dringendste Bedarf ist für mich erst einmal gedeckt.

Wer nun noch eine klare Kaufempfehlung erwartet, wird enttäuscht sein, denn die werde ich nicht geben. Ich halte die DP2x für einen Schritt vorwärts, das ohne Zweifel – aber ist es ein großer Schritt? Wer noch keine DP2 oder DP2s besitzt tut sicherlich gut daran, gleich zur DP2x zu greifen. Es spricht einfach nichts dagegen, es sei denn, man bekommt eine der beiden älteren Kameras zu einem deutlich günstigeren Preis.

Ob sich dagegen ein Update von der DP2 oder DP2s zur DP2x lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mit meinem Vergleich habe ich hoffentlich einige hilfreiche Anhaltspunkte geben können – mehr war nie beabsichtigt. Ich mag beide Kameras. Tendenziell werde ich in Zukunft aber wohl eher zur DP2x greifen. Und um einer nahe liegenden Frage zuvorzukommen: dann gibt es für mich eigentlich keinen Grund, die DP2s noch zu behalten.

 


 

Download:

dp2x_iso3200.x3f

dp2s_iso3200.x3f

 


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4 thoughts on “Sigma DP2x versus DP2s – Teil 3: High ISO

  1. Ralf

    Danke für die ausführlichen Vergleiche von DP2s und DP2x!! Ich habe mir nun nach langem Überlegen eine DP2x besorgt und bin bis jetzt sehr zufrieden.

    Grüße,
    Ralf

  2. Marco Schwinning

    Es war mir ein Vergnügen. Ich denke, mit der DP2x kann man nicht viel falsch machen – viel Spaß noch mit der Kamera!

    Gruß, Marco

  3. Thomas

    Vielen Dank für diesen tollen Vergleich.
    Ich habe mich danach auch für die DP2x entschieden und bin begeistert von dieser Kamera.
    Und ich kann bestätigen, dass der AF bei schlechten Lichtverhältnissen wirklich keine gravierenden Probleme bereitet.

  4. Marc

    Ich habe eine DP2s und mir scheint, dass im Vergleich hierzu die auftretenden Farbstreifen (zu Englisch: [color] banding) bei der DP2x, bzw. bei allen Foveon-Kameras von Sigma mit dem AFE womöglich der Versuch, zeitlich länger „gesampelte“ Sensor-Pegel-Signale zu Erhalten der Grund für dieses Phänomen, sowie auch für den tendenziellen, leichten Magenta-„Stich“ sein dürfte; die Modelle ohne AFE belichten so aus dieser Logik heraus kürzer, da sie womöglich mit zeitverkürzt gesampelten Sensor-Pegel-Signalen umgehen. Im Grunde könnte man daher sowohl die DP2s – für lichtreiche Aufnahmesituationen und Langzeitbelichtungen bei niederigen ISO-Werten, sowie die DP2x für Arbeiten mit hohen ISO-Werten empfehlen.

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