Ruhe sanft – Zeiss Sonnar 2.8/90 Contax G)

Das Zeiss Sonnar 2.8/90 ist ein Objektiv, mit dem man fotografieren möchte. Ständig. Es ist dermaßen gut, dass man auf Fototour geht, nur damit es zum Einsatz kommt. Vielleicht übertreibe ich ein wenig, aber es gibt auch Objektive, die einfach nichts zu sagen haben, die einen nicht ansprechen. Das Zeiss Sonnar 2.8/90 ist das genaue Gegenteil, und ich bin froh, wieder damit fotografieren zu können.

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Dies ist so ein Bild, das meine Augen glücklich macht. Schärfe, Belichtung, Farbe, Details – die gesamte Bildanmutung ist stimmig und ein sehr gutes Beispiel dafür, dass die Sony NEX-7 wunderbar mit dem Sonnar harmoniert. Dafür nimmt man gern die Beschwerlichkeit manueller Fokussierung mittels Adapter in Kauf: es funktioniert, und das genügt, um es zu tun.

Und wo wir schon einmal bei den Beschwerlichkeiten sind – das Fokus Peaking der NEX, welches die fokussierten Bereiche elektronisch hervorhebt, ist eine echte Erleichterung für die Verwendung handbetriebener Objektive. Allerdings war es mir für das Sonnar nicht genau genug. Ich denke, die recht lange Brennweite in Verbindung mit einigermaßen hoher Lichtstärke setzt dem elektronischen Hilfsmittel gewisse Grenzen. Also habe ich zum Scharfstellen immer auch die Lupenfunktion verwendet. Das dauert dann wieder etwas länger, aber was nützt ein in der Eile falsch fokussiertes Foto?

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Es ist, wie gesagt, nicht das Objektiv allein, welches das Bild macht. Es ist vielmehr die Harmonie von Objektiv und Kamera bzw. Objektiv und Sensor. Es wurde ja schon viel Schlechtes über den Sensor der NEX-7 im Zusammenspiel mit älteren manuellen Objektiven gesagt, insbesondere Weitwinkel unterhalb von 35mm Brennweite (Kleinbild) betreffend. Solche Probleme will ich nicht in Abrede stellen. Ich bemerke lediglich, dass das Zeiss Sonnar 2.8/90 bestens mit dem anspruchsvollen Sensor der Sony NEX-7 harmoniert.

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Man könnte einwenden, dass ich anscheinend noch keine kritischen Motive mit dem Objektiv fotografiert habe. Das mag sogar sein. Aber was genau wäre ein kritisches Motiv? Und warum sollte ich es fotografieren? das Sonnar wird an der NEX-7 zu einer 135mm Brennweite und eignet sich damit besonders für Detailaufnahmen, bei denen beispielsweise Randunschärfen, Verzeichnungen usw.  kaum ins Gewicht fallen dürften.

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Mit einem solchen Objektiv begibt man sich nicht auf die Suche nach technischen Unzulänglichkeiten. Man verzeiht, ist milde gestimmt, dankbar fast – und konzentriert sich auf die Auswahl des Motivs. Leichte Farbsäume, die bei Offenblende an harten Kontrastkanten auftreten können (so in dem Bild oben, durch die Verkleinerung aber nicht mehr zu sehen), empfinde ich nicht als beunruhigend. Das sind eben Grenzen, mit denen man sich, wenn man sie kennt, arrangiert.

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Fotografie war niemals perfekt. Warum sollte sie es nun, im Zeitalter der Digitalisierung, plötzlich sein? Jedes System hat seine Schwächen, letztlich geht es aber nur darum, wie man mit diesen Schwächen umgeht.

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Die größte Schwäche des an die NEX-7 adaptierten G-Sonnars ist sicherlich die Art der manuellen Scharfstellung mit Hilfe eines Rings am Adapter, nicht am Objektiv selbst – schließlich ist es ein reines Autofokus-Objektiv. Bei der Contax G1/G2 erfolgte – falls man den Autofokus umgehen wollte – die manuelle Scharfstellung am Kameragehäuse. Das war damals schon keine ideale Lösung. Worüber also sollte man sich heute beschweren?

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Die Fotos entstanden am frühen Morgen auf dem Evangelischen Friedhof in Oberhausen Holten. Fotografiert wurde mit der Sony NEX-7 und dem Zeiss Sonnar 2.8/90 ausschließlich bei Offenblende.

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