Das Zeiss Biogon 2/35 ZM an der Sony NEX-7

Es wurde bereits viel über diese Kombination geschrieben. Die Sony NEX-7 ist eine großartige Kamera, das Zeiss Biogon 2/35 ZM ein großartiges Objektiv – es liegt nah, beide miteinander zu verkuppeln, um ebenso großartige Ergebnisse zu erhalten. Nur scheint es leider nicht zu funktionieren. Kritische Stimmen bemängeln den Randabfall des Objektivs bei Offenblende bzw. den berüchtigten Farbstich in den Bildecken. Ist der 24MP Sensor der NEX-7  etwa zu zickig?

35mm_biogon_nex_20_miko
Blende 2, 1/2500s bei ISO 100.

Ich will die Thematik nicht totreden, sondern lediglich einige Fotos zeigen, anhand derer ich beurteile, ob die benannten Probleme für mich praxisrelevant sind. Es versteht sich von selbst, dass meine Sichtweise nicht für jedermann nachvollziehbar sein muss.

Ein paar Bemerkungen zur Methodik. Für das hier verwendete Bildmaterial habe ich ausschließlich auf JPEGs direkt aus der Kamera zurückgegriffen. Ich habe nicht versucht, die Bildergebnisse zu optimieren, Randabfall oder Farbstich zu kaschieren usw. Die Bilder wurden lediglich verkleinert und leicht nachgeschärft. Ein einziges Bild habe ich leicht beschnitten, um die Ausrichtung etwas zu korrigieren – darauf weise ich dann noch gesondert hin. Bei einigen Bildern habe ich zusätzlich 100% Ausschnitte, meist aus den Bildecken angefertigt, damit man die Objektivleistung besser beurteilen kann.

Ich fange mal gleich mit dem Bild oben an. Wie man sieht, ist es trotz Offenblende hinreichend scharf. Man erkennt aber auch den sich zu den Bildecken hin verstärkenden Farbstich, besonders deutlich auf der gesamten rechten Seite, die meiner Kamerahaltung nach der unteren Seite des Sensors entspricht. Das kann und muss man nicht schönreden. Ich möchte aber bereits an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies eigentlich kein für Offenblende geeignetes Motiv ist. Anders ausgedrückt, unter normalen Umständen würde ich davon ausgehen, dass diese Einstellung lediglich einem Versehen des Fotografen zuzuschreiben ist.

35mm_biogon_nex_12_miko
Blende 2, 1/2000s bei ISO 100.

Dieses Motiv ist da schon realistischer. Der Versuch, die Skulptur im Vordergrund vom Hindergrund abzusetzen, erfordert bei dieser Brennweite (35mm entspricht ca. 52mm am Sensor der NEX-7) eine möglichst große Blende. Besser wäre vielleicht eine längere Brennweite, aber man kann ja nicht alles haben.

Auch hier gibt es die Andeutung eines Farbstichs in den Bildecken rechts, jedoch bei weitem nicht so offensichtlich wie in dem ersten Bild. Ich würde sogar sagen, dass der Magenta-Farbstich in diesem Bild durchaus nicht problematisch ist. Und abgesehen davon finde ich die Leistung des Objektivs bemerkenswert gut.

35mm_biogon_nex_16_miko
Blende 2, 1/2500s bei ISO 100.

Mit diesem Motiv wollte ich mich an die Naheinstellgrenze des Objektivs vortasten, die bei 70cm liegt. Hier eröffnet sich enormes Potential zur Freistellung des Hauptmotivs. Die Kombination von sehr guter Schärfe (in der Bildmitte) und butterweichem Unschärfebereich empfinde ich als äußerst überzeugend. Wieder dunkelt die rechte Seite (Unterseite des Sensors) sichtbar ab. Ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt stört.

Man muss sich immer auch vor Augen führen, das eine Offenblende von 2.0 schon recht extrem ist. Erwin Puts  (Tao of Leica) schreibt sinngemäß, dass das Biogon-Design eine solche Blende im Grund gar nicht unterstützt. Das mag sein, aber um so erstaunlicher erscheint mir die Leistung des 2/35. Nur darf man nicht davon ausgehen, dass das Objektiv seine beste Leistung bereits bei weit geöffneter Blende zeigt.

35mm_biogon_nex_17_miko
Blende 2, 1/2500s bei ISO 100.
35mm_biogon_nex_18_miko
Blende 4, 1/800s bei ISO 100.

Hier einmal der direkte Vergleich bei Blende 2 und Blende 4. Es fällt vor allem auf, dass bei Blende 4 die Randabdunklung so gut wie verschwunden ist. Zudem ist das zweite Bild etwas kontrastreicher, was aber im Gesamteindruck kaum auffällt.

35mm_biogon_nex_17_18_crop_m_miko
Blende 2 und Blende 4 im direkten Vergleich.

Im direkten Vergleich dagegen fällt der Unterschied sehr deutlich aus. Blende 4 bildet eindeutig besser ab: Kontrast, Klarheit, Schärfe. Auch Blende 2 fördert am Sensor der NEX-7 erstaunliche Details zutage, aber Blende 4 macht dies einfach eine Klasse besser.

Aber nicht immer benötigt man abolute Klarheit und Schärfe. Objektive mit großer Blende neigen nicht selten zu einer eher weichen Abbildung bei Offenblende. Gerade dieser Effekt, eine Art Glühen, kann einem Foto eine geradezu klassische Anmutung verleihen, beispielsweise bei Portraits oder stimmungsvollen Szenen. Ein einsamer Spaziergang durch die sonnige Emscherlandschaft ist in dieser Hinsicht nicht unbedingt maßgebend.

35mm_biogon_nex_17_crop_ul_miko
100% Ausschnitt unten links bei Blende 2.

Der Vollständigkeit halber noch dieser Auschnitt der unteren linken Bildecke. Es handelt sich wohlgemerkt um Blende 2. Glaubt man den Schreckensberichten in den verschiedenen Foren, dürfte man hier nur undefinierten Matsch erwarten. Stattdessen sehen wir sehr schön durchgezeichnete Brennesseln.

35mm_biogon_nex_15_miko
Blende 2, 1/3200s bei ISO 100, nachträglich etwas aufgehellt.
35mm_biogon_nex_15_crop_ul_miko
100% Ausschnitt unten links.

Ein unspektakuläres Motv mit freundlichem Bokeh. Der Ausschnitt zeigt die äußerste Ecke links unten und beweist, dass man bei dem Zeiss Biogon keineswegs von einem generellen Randabfall sprechen kann. Diese extreme Ecke lässt an Schärfe und Kontrast im Vergleich zu mittigeren Bildbereichen nichts zu wünschen übrig.

35mm_biogon_nex_13_miko
Blende 2, 1/320s bei ISO 100.
35mm_biogon_nex_13_crop_ur_miko
100% Ausschnitt unten rechts.

Zur Abwechslung mal die Bildecke unten rechts. Meiner Meinung nach nicht schlechter als unten links oder sonstwo. Für Blende 2 hervorragend, kein Grund zur Klage. Und bei dem gesamten Bild fällt natürlich kein Rand- oder Eckenabfall ist Gewicht – ein dankbares Motiv.

35mm_biogon_nex_21_miko

35mm_biogon_nex_22_miko

35mm_biogon_nex_14_miko
Zwecks Ausrichtung minimal beschnitten.
35mm_biogon_nex_14_crop_m_miko
100% Ausschnitt Bildmitte bei Blende 2.

Den Ausschnitt aus der Bildmitte zeige ich, weil es sich hierbei durchaus um ein kritisches Motiv handelt. Das sehr filigrane Spinnennetz im direkten Gegenlicht bei Offenblende: das hätte auch zu starken Farbsäumen führen können. Aber das Biogon arbeitet hier sehr kontrolliert und zuverlässig. Dieses Verhalten wird auch zur Bildecke hin nicht signifikant schlechter.

35mm_biogon_nex_14_crop_ul_miko
100% Ausschnitt aus dem unteren linken Bildbereich.

Der heftige Kontrast lässt die Kanten glühen, produziert jedoch keine Farbsäume. Da habe ich schon bedeutend Schwächeres gesehen.

Der Jüdische Friedhof in Oberhausen Holten ist ansonsten wenig fotogen, ein kleines, abgezäuntes Eckchen, ein paar Quadratmeter nur, inmitten einer eher schnöden Wohngegend und in unmittelbarer Nähe zur nicht minder schnöden Aldi-Filiale.

35mm_biogon_nex_19_miko
Blende 2, 1/1250s bei ISO 100.
35mm_biogon_nex_23_miko
Blende 2, 1/4000s bei ISO 100.

Die beste Performance soll das Biogon zwischen Blende 5.6 und Blende 8 abliefern. Also zeige ich zum Schluss noch einen eher technischen Test bei Blende 5.6.

35mm_biogon_nex_24_miko
Blende 5.6, 1/1250s bei ISO 100.
35mm_biogon_nex_24_crop_ol_miko
100% Ausschnitt oben links.
35mm_biogon_nex_24_crop_ur_miko
100% Ausschnitt unten rechts.

Was man hier sehr deutlich erkennen kann, sind vor allem die Grenzen der Sony NEX-7. Ein derartig verrauschter und mit Artefakten übersäter Himmel bei ISO 100? Das spricht, wenn nicht für die Grenzen des Sensors, so zumindest für die Grenzen der Kamera-JPEGs. Dem Objektiv kann man an dieser Stelle allenfalls vorwerfen, dass es diese Schwäche sichtbar werden lässt.

Soll ich mich denn nun auch noch zu einem Fazit hinreißen lassen? Ich versuche es mal, möglichst subjektiv, versteht sich. Ich mag das Zeiss Biogon 2/35 ZM wirklich sehr. Um ehrlich zu sein, ich mag es im Grunde mehr, als ich die NEX-7 mag. Deshalb würde ich es auch so formulieren, dass die NEX-7 nicht die ideale Kamera für das Biogon ist.

Das soll nicht heißen, dass diese Kombination nicht funktionieren kann, im Gegenteil. Schlimmstenfalls muss man versuchen, die Ecken zu korrigieren – aber auch nur, wenn man sich durch die leichte Verfärbung gestört fühlt. Und wenn man meint jede Szene mit möglichst großer Blende zu fotografieren. Dafür sehe ich wiederum keine Notwendigkeit, nicht einmal einen guten Grund. Viele Motive sind dankbar für eine Blende ab 4 und aufwärts.

Die Frage ist vielleicht eher, ob man sich das Biogon zulegen soll, wenn man bereits die NEX-7 besitzt. Klare Antwort: nein. Es spricht zwar nichts dagegen, aber es ist noch viel weniger zwingend, zumal es z.B. mit dem Sigma 2.8/30 EX eine günstige und zweifellos gute Alternative gibt. Außerdem ist von Sony in absehbarer Zeit ein lichtstarkes Objektiv in diesem Brennweitenbereich zu erwarten, und es ist anzunehmen, das Sony sich nach all der Kritik an den vorhanden Objektiven keine Blöße geben wird.

In einem Punkt jedoch wird das Zeiss Biogon nicht so leicht zu ersetzen sein: das ist die haptische Qualität. Es wird an Wertigkeit allenfalls durch Äquivalente aus dem Hause Leica erreicht bzw. übertroffen. Das spielt vor allem eine Rolle, wenn man ein Faible für manuelle Fokuskontrolle hat. Nichts gegen Autofokus, aber es ist eine gänzlich andere Art zu fotografieren, wenn man eigenhändig den Schärfebereich bestimmt – was im übrigen mit der NEX-7 kinderleicht funktioniert.

Alles in allem kann ich sagen, dass das Zeis Biogon 2/35 ZM ein hervorragendes Objektiv ist, noch dazu ein ausgesprochen schönes – vielleicht zu schön für die Sony NEX-7.

Related posts

One thought on “Das Zeiss Biogon 2/35 ZM an der Sony NEX-7

  1. Halt!
    Ich glaube du hast einen Fehler gemacht! Die Vignettierung ist am unteren bzw. rechten Rand mehr als anderen. Probier das Objektiv mal mit geringeren Shutter-Speeds! Ich gehe mal davon aus, dass du den halbelektronischen Shutter verwendet hast, oder? Sehr schräg eintreffende strahlen machen Probleme mit dem halbelektronischen Shutter!
    Siehe:
    http://www.dslr-forum.de/showthread.php?t=1068670

Leave a Comment