Neu eingetroffen: Ricoh GXR mit A12 Mount

Es mag wie ein Rückschritt erscheinen, im Jahr 2012 eine bereits in die Jahre gekommene Digitalkamera aus dem Jahr 2009 zu erwerben. Und ich muss zugeben, dass mich das modulare System der Ricoh GXR nicht übermäßig interessiert hat – bis zum Erscheinen des hier vorliegenden Moduls A12 Mount mit Leica-Bajonett, welches dem System einen völlig neuen Horizont erschließt.

ricoh_gxr_01
Ricoh GXR mit Modul A12 Mount.

Zunächst hatte ich Bedenken. Wozu benötigt man eine modulare Kamera, die Sensor samt Objektiveinheit vom Kamerabody trennt, wenn man gar nicht vorhat, verschiedene Module zu verwenden. Nicht das Baukastenprinzip an sich machte mir Sorgen, sondern eher die Frage nach der Stabilität und Wertigkeit der Bauteile. Aber diese Sorge wurde durch den ersten Eindruck radikal entkräftet. Tatsächlich ist die Ricoh GXR eine der wertigsten Digitalkameras, die ich bisher in den Händen hatte.

Meiner Meinung nach war die Entwicklung des Moduls A12 Mount ein genialer Schachzug Ricohs. Nicht etwa, um mit der deutschen Edelschmiede aus Solms bzw. Wetzlar zu konkurrieren, sondern um all jenen Fotografen ein ernsthaftes Werkzeug an die Hand zu geben, die zwar mit der Messsucherfotografie liebäugeln, sich jedoch den Luxus einer digitalen Leica M nicht leisten können oder wollen.

Mit dem Stichwort Messsucherfotografie verbinde ich vor allem zweierlei: hervorragende Objektive in kompaktester Bauart sowie manuelle Fokussierung. Nun ist die Ricoh GXR definitiv keine Messsucherkamera. Sie verfügt über keinen eingebauten Sucher, weder optisch noch elektronisch (immerhin besteht die Möglichkeit, einen elektronischen Aufstecksucher zu verwenden), aber sie ist in Verbindung mit dem Modul A12 Mount dennoch für die Verwendung entsprechender Objektive optimiert.

So verhindert ein spezielles Mikrolinsen-Design des Sensors (übrigens nur 12 Megapixel im APS-C Format) den zu erwartenden Randabfall insbesondere von Weitwinkelobjektiven. Zudem bietet die GXR eine benutzerdefinierte Korrektur von Vignettierung, Verzeichnung und Eckenverfärbung für einzelne Objektive. Die manuelle Scharfstellung erfolgt komfortabel und präzise mittels Focus Peaking, bei welchem scharfe Kontrastkanten ermittelt und optisch hervorgehoben werden, und/oder Fokuslupe. Und nicht zu vergessen: Ricoh verzichtet bei dem Modul A12 Mount auf ein AA-Filter um auch das letzte Quäntchen Schärfe und Charakter der verwendeten Objektive auf den Sensor zu bannen.

Wie die Ricoh GXR sich in der Praxis bewährt, muss ich erst noch herausfinden, aber die ersten Annäherungsversuche waren schon recht vielversprechend. Ich denke, wir haben es hier  – gerade im Vergleich zur spiegellosen Konkurrenz– mit einer völlig unterschätzten und zu Unrecht vernachlässigten Kamera für ambitionierte Fotografen zu tun, insbesondere für Liebhaber leistungsstarker, manueller Festbrennweiten von Leica, Zeiss und Voigtländer.

 

Related posts

Leave a Comment