Neu eingetroffen: Nikon 1 V1 – ganz in weiß

Dass Nikon über kurz oder lang auf das Karussell der spiegellosen Systemkameras aufspringen würde, hatte man längst erwartet. Die Art jedoch, wie das geschah, kam für viele dann doch überraschend. Die Einführung eines neuen Kamerasystems mit einem Sensor, der sogar noch deutlich kleiner als derjenige der direkten Konkurrenz aus dem MicroFourThirds-Lager ist, sorgte doch weitgehend für Befremden.

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Die Nikon V1 in weiß mit dem Nikkor 1.8/18.5.

Es wurde nicht die erhoffte Ergänzung professioneller Spiegelreflextechnik mit kompaktem Formfaktor, sondern eine Kamera, deren Features eher für Einsteiger konzipiert zu sein scheinen. Und doch kann man rückblickend feststellen, dass Nikon mit der V1 immerhin einiges richtig gemacht hat.

Da die V1 bereits wieder ein Auslaufmodell ist, will ich mich hier nicht lange mit technischen Details aufhalten. Die grundlegenden Spezifikationen der Kamera sind u.a. auf der Nikon Homepage nachzulesen. Interessanter ist doch die Frage, aus welchem Grund man überhaupt in das spiegellose Nikonsystem einsteigen sollte – noch dazu mit einem anscheinend bereits wieder obsoleten Kameramodell.

Ich will nicht um den heißen Brei herumreden: interessant ist zunächst einmal der Preis. Die V1 ist inzwischen für unter EUR 300,00 im Set mit dem recht guten 10-30mm Zoomobjektiv zu kaufen. Nun gut, der Preis allein kann ja nicht den Ausschlag geben. Nachdem ich mir jedoch einige Abbildungen der Kamera angeschaut habe, ertappte ich mich dabei, dass ich begann, insbesondere die weiße Ausführung ausgesprochen sexy zu finden. Wohlgemerkt, keine Liebe auf den ersten Blick, sondern auf den zweiten.

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Schlichtes Understatement: glatt und elegant.

Natürlich informierte ich mich auch über die inneren Werte. Dabei kam mir vor allem manch Gutes über die Geschwindigkeit der Kamera zu Ohren: einerseits in Hinblick auf den Hybrid-AF, welcher sowohl Kontrast- als auch Phasendetektion beherrscht, andererseits in Form einer Bildrate von bis zu 60 Bildern pro Sekunde. Nun bin ich weder ein AF-Junkie noch ein Schnellfeuer-Fotograf, aber die Vorstellung, auch ohne wuchtige Spiegelreflexkamera z.B. spielende Kinder mühelos ablichten zu können, ist doch keinesfalls unangenehm, schon gar nicht, wenn man dabei auch noch durch einen hervorragenden elektronischen Sucher, wie er in der V1 verbaut wurde, aufs Motiv blicken kann.

Aus berufenen Mündern waren dagegen Klagen über die aus professioneller Sicht eingeschränkte Bedienbarkeit zu vernehmen. Allein die Tatsache, dass Nikon die Frechheit besessen hatte, typische Funktionen wie die Auswahl von Blenden- oder Zeit- oder Programmautomatik nicht per Moduswahlrad, sondern nur per Menü zugänglich zu machen, sorgte bei den Enthusiasten für Entrüstung. Stattdessen ist das kleine Glücksrädchen eben mit so innovativen und zweifelhaften Funktionen wie Bewegter Schnappschuss und Smart Photo Selector belegt – ganz zweifellos ein irgendwie typisch japanischer Fehlgriff. Allerdings empfinde ich diesen Umstand keineswegs als gravierend, da ich fast immer mit Blendenautomatik fotografiere und kaum jemals den Drang verspüre, diesen Modus zu wechseln. Ärgerlich ist aus meiner Sicht nur, dass durch die seltsame Belegung mit fragwürdigen Funktionen das Wahlrad im Grunde überflüssig ist.

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Spartanisch und luxuriös zugleich – die drei Bedienelemente auf der Oberseite: Hauptschalter, Auslöser und der Knopf fürs Filmen.

Bleibt noch das Problem des kleinen Sensors mit einer Auflösung von gerade mal 10 Megapixeln. Das klingt nicht wirklich zeitgemäß, aber man sollte sich auch nicht zu leicht täuschen lassen. Dynamikumfang und Rauschverhalten der Nikon V1 können sicherlich nicht mit größeren Sensoren konkurrieren, aber nach allem, was ich bisher gesehen habe, sind die Ergebnisse bis ISO 1600 wirklich sehr gut. Besonders gut gefallen mir übrigens die typischen Nikon-Farben: kräftig, aber niemals grell oder übertrieben. Darauf komme ich vielleicht in einer ausführlicheren Besprechnung noch einmal zurück.

Ein Wort aber noch zu den Objektiven. Das Nikon-1-System steckt ja gewissermaßen noch in den Kinderschuhen, und so ist die verfügbare Objektivpalette alles andere als umfassend. Als Liebhaber von Festbrennweiten fand ich aber auf Anhieb Gefallen an der lichtstarken Normalbrennweite des Nikkor 1.8/18,5 (Crop-Faktor 2,7). Diese verspricht eben auch die Möglichkeit, Motive freizustellen, mit Unschärfen zu arbeiten, was durch das Sensorformat durchaus nicht selbstverständlich ist. Und wie sich zeigte, ist dieses unscheinbare Objektiv ganz hervorragend, nämlich insbesondere superscharf. Auch dazu hoffentlich bei anderer Gelegenheit mehr.

Abschließend kann ich es mit einem Wort zusammenfassen: die Nikon V1 ist gegenwärtig ein echtes Schnäppchen. Keineswegs perfekt, sicherlich nicht ohne Schwächen und wahrscheinlich nicht der große Wurf, den sich viele Fotografen von Nikon versprochen hatten. Aber die V1 ist alles andere als eine schlechte Kamera. Zum gegenwärtigen Abverkaufspreis von unter EUR 300,00 inkl. Objektiv kann man mit ihr eigentlich nichts falsch, aber vieles richtig und richtig gut machen.

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Einfach nur sexy.

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2 thoughts on “Neu eingetroffen: Nikon 1 V1 – ganz in weiß

  1. Für 3 Scheine eine tolle Mirrorless, allerdings stört es mich extrem das keine PASM Modi
    via Drehschalter einstellbar sind, nur via Menüs…von daher fällt die V1 für mich weg.
    Wenn die V2 vielleicht für den gleichen Preis irgendwann verfügbar sein sollte, schaue ich
    mir die kleine Nikon evtl. wieder an…. 🙂 Ansonsten viel Spaß dir mit dem Gerät, Marco.

    Gruß
    marc

  2. Fred

    das gleiche gilt für die Pentax Q, die mit 47mm F1.9 equivalenter Prime Objektiv und (noch kleinerem Sensor !) auch so ein übersehenes Schätzchen ist. Ich habe meine Sigma DP2s aufs Altenteil geschickt, weil die Pentax Q schlicht die bessen Fotos macht! Die Bedienung der Pentax Q ist sehr intuitiv (wie eine Pentax DSLR!)

    Im Ausverkauf gerade zu haben für 237 EUR!!
    http://www.pixmania.de/de/de/10820745/art/pentax/q-schwarz-objektiv-8-5-mm.html#srcid=26&CodePromo=oui

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