Sieben gute Gründe für die Sigma DP3 Merrill

Manch einer mag beim Anblick der folgenden Auflistung denken, sie sei ironisch gemeint und daher nichts weiter als der übliche Hinweis auf die hinlänglich bekannten Schwächen der Kameras aus dem Hause Sigma. Aber das Gegenteil ist der Fall. Angesichts vieler negativer Kritiken habe ich mich einfach mal gefragt, warum ich trotzdem gerne mit diesen Kameras fotografiere. Die Antwort hat mich selbst überrascht.

Die vermeintlichen Schwächen nehme ich gar nicht als solche wahr. Bei genauerer Betrachtung empfinde ich die meisten der angeblich unzeitgemäßen Mängel sogar als Vorzüge. Das gilt insbesondere für die DP3 Merrill. Ich war sofort von ihr begeistert, seit ich durch die erste Ankündigung von ihr erfahren habe. Warum ist das so? Welche Gründe gibt es, eine teure Kamera zu kaufen, die durch ihr Konzept, durch ihr Äußeres und durch ihre Ausstattung eher verschroben als überzeugend wirkt?

1. Eine ungewöhnliche Festbrennweite

Die auf Kleinbildformat umgerechnete Brennweite von 75mm ist nun wirklich nicht weit verbreitet (ich habe hier darüber geschrieben), aber sie ist durchaus nicht so abwegig oder speziell, wie man zunächst meinen könnte. Ich würde sagen, es ist ein Allrounder, der bei bestimmten fotografischen Schwerpunkten oder Vorlieben seine Vorzüge gegenüber kürzeren Brennweiten hat. Paradebeispiel ist sicherlich die Portraitfotografie, wo 75mm ein sehr ausgewogenes Verhältnis von Intimität und Diskretion ermöglichen. Die Brennweite ist einfach sehr gutmütig. Das Schlimmste, was sie anrichtet, könnte sein, dass sie den Fotografen zwingt, einen Schritt zurückzutreten – das ist nicht immer eine schlechte Idee, so wie es bei einer Brennweite von 28mm eine gute Idee sein kann, einen Schritt näher ans Motiv heranzugehen.

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2. Sie ist langsam

Ja, das ist sie, ohne wenn und aber. Der Autofokus wird niemals ein bewegtes Motiv einfangen. Punkt. Aus. Die kamerainterne Bildverarbeitung und die Speicherzeit sind dermaßen gemächlich, dass man sich unwillkürlich bei dem Gedanken ertappt, mal eben zwischendurch eine Tasse Kaffee zu kochen, bis das rote Lämpchen irgendwann endlich zu blinken aufhört. Trotzdem sage ich: na und? Habe ich dadurch jemals ein Foto versäumt? Nein. Natürlich habe ich bisher noch nie versucht, ein bewegtes Motiv mit dem Autofokus der Dp1, DP2 oder DP3 einzufangen, das ist schließlich nicht ihr Einsatzgebiet. Aber man erinnert sich daran, wie man es früher, in einer Welt ohne Autofokus gemacht hat: man fokussiert manuell auf einen bestimmten Punkt und löst aus, wenn das Motiv diesen Punkt kreuzt – mit etwas Übung sollte das ganz gut funktionieren. Das genau ist der springende Punkt. Die Beschränkung der Kamera zwingt den Fotografen, an einer Lösung zu arbeiten, mit anderen Worten: man muss nachdenken, ausprobieren und üben. Das ist meiner Meinung nach eine der besten Voraussetzungen für die Freude am Fotografieren, und ich sehe einfach nicht ein, warum eine Kamera, die für Foto-Enthusiasten gemacht ist, nicht für professionelle Sportfotografen, das von vornherein und quasi vollautomatisch können sollte. Ach ja, außerdem gibt es auch noch Motive, die sich nicht sehr schnell bewegen.

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3. Die Laufzeit des Akkus ist zu kurz

Kein Zweifel, es ist unerträglich, wenn man nicht 300 Fotos am Stück machen kann, von denen man sich 275 ohnehin hätte sparen können. Früher, in der guten, alten Zeit, hielt die Batterie in einer Kamera unter Umständen sogar einige Jahre – aber man hat in der Zeit auch nur wenige Filme belichtet. Man hört ja oft, dass die Speicherkarte der moderne Ersatz des Films sei. Bei den Merrills ist es eben der Akku, den man vielleicht schon nach 50 Bildern wechseln muss. Das zwingt einen – je nach vorhandener Akku-Menge – zu einer gewissen Sparsamkeit und Zurückhaltung – ich würde es Besinnung nennen. Man kann eben nicht mal eben um den Block gehen und die gefräßige Speicherkarte mit hunderten Fotos füttern, sondern darf sich besinnen, welches Motiv man wirklich festhalten möchte – und welches nicht. 50 Bilder am Tag sind doch schon verdammt viel, und mit dem von Sigma spendierten Zweitakku kommt man sogar auf 100. Und falls es ein dreiwöchiger Trip durch den Dschungel werden soll, fernab jeglicher Energieversorgung, muss man sich tatsächlich mit Ersatzakkus eindecken wie früher mit Filmrollen. Halleluja!

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4. Sie ist nicht kompakt

Nein, die DP3 passt in keine Hosentasche, es sei denn, man will um jeden Preis auf dicke Hose machen. Sie ist nicht winzig, nicht einmal klein, sie verschwindet nicht irgendwo, sondern findet ihren prominenten Platz in einer – Gott sei’s gedankt! – Kameratasche. Das ist kein Witz: ich liebe Kamerataschen. Die meisten sind einigermaßen praktisch, einige sind sogar schick oder cool. Es gibt Kamerataschen, die sind schwer, obwohl gar nichts drin ist, andere sind leicht, aber dafür sind sie groß und es passt trotzdem nicht genug hinein. Und dann gibt es Kamerataschen, die sind klein, unscheinbar und bieten gerade genug Platz für eine Kamera wie die Sigma DP3 (und eventuell noch für einen Ersatzakku) – und damit ist man dann bestens ausgerüstet, ohne sich gleich schämen zu müssen. Der Gedanke, eine Kamera in der Jackentasche oder gar Hosentasche zu transportieren, war wir nie sympathisch – ich will sie doch nicht schmuggeln. Die DP3 ist nicht klein, aber das hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass man sie mit zwei Händen anfassen kann.

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5. Die Farben sind nicht realistisch

Mir haben immer die digitalen Kameras gefallen, deren Farben nicht neutral oder realistisch waren, sondern in sich stimmig. Recht farbtreu fand ich z.B. immer die Kameras von Panasonic, aber wirklich überzeugt hat mich das nie. Ganz anders dagegen die Farbkünstler von Olympus: da wird eine blaue Blume vielleicht lila oder umgekehrt, aber die falschen Farben machen das Bild lebendig. Ich rede hier nicht von Kunstreproduktion, bei welcher das fotografische Medium möglichst in den Hintergrund tritt. Ich rede von Fotos, die uns ansprechen sollen. Wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme und mir ein wunderbares Foto ansehe, auf dem ich die Farben des Berges, der Wüste oder des Meeres ganz anders sehe, halte ich dennoch ein wunderbares Foto in Händen, und wer weiß, irgendwann nimmt meine Erinnerung womöglich die Farben der Fotos als ihre eigenen an. Die DP3 macht solche Fotos: überzeugende Fotos, von denen ich denke, dass die Wirklichkeit nur schwer mit ihnen mithalten kann. Entspricht das abgebildete Rot dem wirklichen Rot im Moment der Aufnahme: zu dieser Tageszeit, bei diesem Licht und unter diesen Umständen? Keine Ahnung, Hauptsache, es haut mich aus den Socken.

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6. Sie kann kein High ISO

Ich werde nicht versuchen, das Gegenteil zu beweisen. Ich werde nicht versuchen, das letzte Restchen Qualität aus einer 3200-ISO-Datei zu prügeln. Ich werde nicht versuchen, das digitale Bildrauschen als charaktervolle Körnigkeit zu verkaufen. Dafür habe ich mir die Kamera nicht angeschafft. Sie soll nicht im Dunkeln Wunder vollbringen. Sie soll bei möglichst gutem Licht möglichst gute Bilder machen – und tut es auch. Sollte es aus der Not heraus nötig sein, mit höheren Empfindlichkeiten zu fotografieren, werde ich – da es sich ja schließlich um einen Notfall handelt – mit verrauschten, fleckigen, verblassten Bildern oder sogar gänzlich ohne Bilder leben können. Die DP3 motiviert mich, nach gutem Licht zu suchen – was könnte es Schöneres für einen Fotografen geben?

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7. Wo war doch gleich der HD-Filmmodus?

Doch doch, die DP3 kann auch Film, und zwar VGA 640×480. Und ohne es getestet zu haben, behaupte ich jetzt einfach mal, dass der Akku das ungefähr zwei Minuten lang durchhält – sorry, Sigma. Das ist natürlich Quatsch, aber es interessiert mich wirklich nicht. Gäbe es diesen rudimentären Filmmodus nicht, ich würde ihn keineswegs vermissen. Ich mag Kameras, mit denen ich fotografieren kann. Wollte ich Filme drehen, käme keine Kamera von Sigma auch nur in die engere Auswahl. Das ist ja das Gute: Sigma macht Kameras für Fotografen, nicht für Filmemacher. Bis heute waren alle Filmfunktionen digitaler Kameras für mich nichts weiter als technischer Ballast. So merkwürdig das auch klingt, aber ein ausgereifter Filmmodus erweckt in mir den Eindruck, dass die Kamera nicht etwa über eine wünschenswerte Eigenschaft verfüge, sondern dass ihr – ganz im Gegenteil also – etwas Essenzielles fehle. Das mag unlogisch oder sogar idiotisch sein, aber so fühlt sich eine Kamera für mich an. In diesem Sinne hat die DP3 wohl immer noch zu viel Ballast mit an Bord, doch ich werte das als eine Art Signal, das für Filmfans abschreckender wirkt, als es die stillschweigende Aussparung vermocht hätte. Danke dafür.

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Bis hierher also, was ich an Schlechtem über die DP3 zu sagen weiß – das wenige Gute, das noch bliebe, spare ich mir. Es würde mir ja doch niemand mehr glauben. Und wen die Lektüre des Artikels noch immer nicht davon abgebracht hat, eine DP3 zu kaufen, der sollte sich einmal ernsthaft fragen, ob Sigma für ihn nicht längst zu einer Glaubens- und Herzensangelegenheit geworden ist. Oder gibt am Ende doch die Bildqualität den Ausschlag?

Ach ja, ich vergaß noch zu erwähnen: die Bilder dürfen natürlich und sollen sogar angeklickt werden …

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14 thoughts on “Sieben gute Gründe für die Sigma DP3 Merrill

  1. Fabian

    Moin Marco,

    seit ein paar Wochen komme ich regelmäßig hier im Journal vorbei und bin immer wieder erfreut, wenn ich einen schön geschriebenen Artikel über irgendeine Sigma zum Lesen finde.

    Hergeführt wurde ich von google, als ich nach Vergleichen zwischen dp2s und dp2x gesucht habe und eine Erklärung dafür gesucht habe, was es mit diesem mysteriösen Analogen Dings-Interface auf sich haben möge 🙂
    Seit vielleicht 10 Monaten bin ich mit der dp1s unterwegs, die mir in Kombination mit einer Nikon-DSLR viel Freude macht. So viel, dass sich vor einiger Zeit noch eine dp2s dazugesellt hat und ich mittlerweile fast schon ein Fan des Foveon-Sensors geworden bin.

    Wem immer ich die Kamera zeige und auf die – ich nenne es mal – ‚Eigenarten‘ hinweise, der schaut mich ungläubig an, ob ich es denn ernst meine, damit zu fotografieren. Die Ergebnisse sprechen für sich und – wenn man es unbedingt so nennen will – entschädigen für alles.
    Aber das ist es. Ich nenne die Dinger gerne Fotoapparat statt Kamera.

    Vielen Dank für die schönen Berichte, ich werde weiterlesen.

    Grüße aus Hamburg
    Fabian

  2. Ralf

    Hallo Mario,
    so wie damals bei der DP2x juckt es mich schon wieder in den Fingern, wenn ich die Foveon-Bilder sehe. Die Brennweite der DP3m finde ich sehr interessant, auch wenn ich mir immernoch eine wechselobjektiv-DP wünsche (vermutlich würde darunter aber dann die BQ leiden – und in diesem Punkt macht SIGMA glücklicherweise keine Kompromisse).
    Ich habe in den vergangenen zwei Jahren fast ausschliesslich mit meinen DPs fotografiert – vermisst habe ich nichts – dafür jede Menge tolle Bilder.
    Mit entsprechender Zeit kann man in SPP fast jeden Farbstich entfernen – aber manchmal stört er eben auch einfach gar nicht. HighISO kann die Kamera wirklich nicht, aber bei langer Belichtung liefert sie auch im dunkeln sehr beeindruckende Ergebnisse. Sogar Polarlichter habe ich schon auf den Lofoten mit ihr fotografiert – das wird zwar nicht so eindrucksvoll grün, wie bei anderen DSLRs – dafür sieht es auf den Fotos so aus, wie man es auch wirklich sieht.
    Vielleicht werde ich die SIGMA-Cashback Aktion doch noch nutzen 😉

    Grüße,
    Ralf

  3. Ralf

    *sry* Marco

  4. Wie immer ein schöner Review Marco, das Du seit langen Fan von Sigma Foveon Kameras
    bist, ist kein Geheimnis. Ich liebäugele seit Monaten mit der DP2m, da die Brennweite für mich
    die am Besten passende für mich ist…aber soviel Geld….allerdings gibt es in diesem Bereich
    keine andere Kompakte, oder DSLR, welche der DP2M das Wasser reichen könnte.

    Früher habe ich auch viel(es) fotografiert, aber wenn heutzutage nach einem Photowalk
    mit befreundeten Kollegen eine handvoll guter Fotos dabei heraus kommen, ist dies schon
    sehr viel.

    Gruß
    Marc

  5. Hallo Marco! Ich möchte mich noch einmal für die Unterstützung rund um die DP2 Merrill bedanken. Sie macht mir viel Spaß, ich habe mit ihr die Freude am Fotografieren wiederbelebt. Und sie ist vielleicht schnell!!! (man muss nur von der DP1 kommen) und die Farben so naturgetreu! (man muss nur von der DP1 kommen). Und sie ist so schnell Betriebsbereit (man muss nur von der DP1 kommen) 🙂

    Ich habe ein paar JPG-out-of-cam Bilder auf meinen Blog gestellt:
    http://1.bp.blogspot.com/-TVdzrW710Gw/UXbqo7DGb5I/AAAAAAAAHME/OQ116PPFyd4/s1600/SDIM0207.JPG
    http://2.bp.blogspot.com/-qeTlR3uogFc/UXbqoyGNkqI/AAAAAAAAHMI/FPOdUMhtf5U/s1600/SDIM0215.JPG
    http://3.bp.blogspot.com/-ek1FI4dOYts/UXWUx-l8CHI/AAAAAAAAHK0/glAM3co1Y04/s1600/SDIM0041.JPG

    Das waren die ersten Gehversuche am 1. Tag mit der Kamera.

    Ich denke, die Kamera bildet die Realität ab und wir filtern mit unserem Gehirn sehr viel aus, wenn wir etwas sehen. So reflektiert die Alster grünbraunes Licht, wir sehen das mit unseren Augen nicht.

    Die DP3 schied für mich auf Grund der Größe des Objektivs (Argument Jackentasche) aus. Die Brennweite täte mir schon gefallen!

  6. @marc: mich hat die DP2 Merrill „wiederbelebt“, mit macht die Motivsuche jetzt mehr Freude als zuvor mit der Spiegelreflex, obwohl ich da auf eine Festbrennweite mit leichtem Objektiv umgesattlet habe (35mm 1.8).
    Ich liebe Festbrennweiten!

  7. Marco Schwinning

    Schöne Fotos, Paula. Das erste gefällt mir besonders gut mit diesem sehr konzentrierten Licht, das eine ganz unscheinbare Szene fast verzaubert. Für solche Motive ist die DP2 Merrill aber auch ideal.

    Ich greife im Moment am liebsten zur DP3. Vorab habe ich auch gedacht, das relativ große Objektiv würde mich stören, aber inzwischen finde ich, dass die Kamera dadurch noch besser in der Hand liegt und sich sogar wertiger anfühlt. Für mich hat die DP3 das Zeug zu einer echten Kult-Kamera.

    Viel Spaß noch mit der DP2 Merrill!

    Gruß, Marco

  8. Dirk

    „Welche Gründe gibt es, eine teure Kamera zu kaufen, die durch ihr Konzept, durch ihr Äußeres und durch ihre Ausstattung eher verschroben als überzeugend wirkt?“

    Ganz einfach, es ist die einzige Kompaktkamera am Markt, die eine relativ lichtstarke Brennweite für Portraits und Makro hat. Mir ist keine andere Kompakte bekannt, die ein kurzes Tele mit f2.8 hat. Was sich daraus ergibt, ist die Möglichkeit Portraits freizustellen, wie dein erstes Bild schön zeigt. Und mit einem max. Abbildungsmaßstab von 1:3 dringt man in Regionen vor, wo man größere Insekten (z.B. Schmetterlinge) gänzlich abbilden kann. Noch eine Nahlinse/Achromat drauf, und schon kann man mit einer Kompakten geniale Makros verwirklichen. Wieder: mit welcher anderen Kompaktknipse kann man das?
    Der Foveon-Sensor ist das i-Tüpfelchen. An die Schärfe bei niedrigen ISOs kommt man mit keinem bezahlbaren Bayer-Sensor heran. Das waren zumindest meine Gründe mir die DP3M zu holen. 🙂

  9. Kai

    Tja, ich kann mich da nur dem Berichtenden in fast Allem anschliessen. Bewundernswert, wie mit den technischen Mitteln der fortgeschrittenen Prozessortechnik aus einer ungenügenden, antiquierten Bayer Raster Technik so viel herausgeholt werden kann. Aber die simulierte Schärfe, die aus dem Mittelmaß herausgerechneten Farben, all das hat seinen Preis. Am Ende ist es jedoch die Bildqualität und die Originalität, in diesem Bereich spielt die Sigma unbestreitbar die erste Geige! Was könnte Wichtiger sein?
    Bewundernswert was Sigma hier einer Schickimicki-Übermacht entgegenhält und etwas hochhält, was man mal der deutschen Kameratechnik der 50-70ger zurechnete: Fototechnik für Menschen, die fotografieren wollen. Seit ein paar Tagen besitze ich die DP3. Lange habe ich überlegt, welche Brennweite ich am besten nehmen sollte und ich habe mich für die (heutzutage) Ungewöhnliche entschieden. Nach dem Akku-Laden habe ich die Kamera sofort im Alltag mitgenommen, es ist schwierig mit der Kamera ein schlechtes Bild zu machen. Mit einer magischen Selbstverständlichkeit bereitet diese Kamera den zuvor getroffenen Blick für das Ungewöhnliche, oder das vermeintlich Gewöhnliche auf, um ein stimmungsvolles Gemälde zu offerieren. Jedesmal ging ich mit der größten Spannung nach Hause, um festzustellen, daß ich mich auf das zu Erwartende mit Recht gefreut hatte. Das Mehr an Besinnung, was der Marco beschreibt, möchte ich ersetzen durch eine Entwicklung in Richtung „Schärfung des Blicks“. Es entstehen dabei keineswegs weniger Bilder und das Aussortieren wird viel schwieriger. Darüber sollte sich jeder zukünftiger Besitzer einer DP Merrill im Klaren sein. Ich nehme auch im Bereich Theaterfotografie auf, extrem schwierige Lichtmengen, extrem schwierige Farbbestimmung. Es ist trotzdem kein Problem, super Bilder zu machen. Ich wünsche mir noch einen Sucher und ein 64 bit SPP, am Besten mit Berechnung über die Grafikkarte. Ich werde meine Bilder Homepage vollkommen neu aufbauen müssen, um dieser beeindruckenden Qualität wirklich Rechung zu tragen. Wer eine solche Kamera hat, wird vielleicht Einiges ändern müssen, weil hier einfach eine neue und weit höhere Qualitäts-Marke gesetzt wird. Also nehmt Euch Zeit für das Besondere!

  10. Martin Graf

    Hallo zusammen,
    mein Kommentar hierzu folgt recht spät 🙂
    Ich stamme noch aus der Dia-Ära und habe in letzter Zeit viel mit Canon und Sony SLR’s gearbeitet. In den letzten Jahren habe ich immer wieder nach den Sigma DP’s geliebäugelt aber mich leider dann immer wieder von der „Fachpresse“ abhalten lasse. Doch vor kurzem machte ich eine Entscheidung: Ich möchte das Fotografieren wieder ernster anpacken – ich bin schon mit Microstock in der Naturfotografie recht involviert – aber es fehlte mir die ganze Zeit das gewisse etwas. Dann schoss mir die Idee wieder hoch mit den Sigma Kameras – vorallem die DP3 Merrill – und über Ebay verscherbel ich momentan meine SLR Ausrüstung und für gerade € 400,00 habe ich mir ein Vorführgerät DP3 bestellt. Freue mich auf das neue Abenteuer – danke für den Bericht – mit den Einschränkungen kann ich gut leben – aber auf die Vorteile wollte ich einfach nicht verzichten: Ernsthafte Fotografie.

  11. wundervoller Bericht, sehr schön geschrieben und auf den Punkt gebracht.
    Ich selbst wollte die DP3 wieder zurückschicken, habe SIE dann doch wieder ausgepackt und mich tiefer damit beschäftigt. SIE ist ein wunderbare Kamera, wenn man SIE so wie SIE ist akzeptiert und damit umgehen kann.

    Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das für mich eine der wenigen Kameras ist, bei denen das gewisse Feeling im Bild rüberkommt.

    Damals die DP1 war schon sehr gut, die DP3 macht für mich aber einen tadelloseren Job mit mehr Feeling. Das Rauschen ab 400ISO empfinde ich als wertvoll, nicht digital verpixelt, mag es irgendwie 🙂

    Danke für den superschön geschriebenen Eintrag hier.

    lieben Gruß, Holger

  12. Winfried Heidl

    Hallo, ich lese hier gern mal rein, arbeite sehr gern mit den Exoten, habe ja schließlich schon mal alle DPs gehabt, dummerweise wieder verkauft, Momentan habe ich mir wieder die DP2m geholt, sie hat mir gefehlt. Nun suche ich wieder eine DP3m, sie ist wohl schlecht aufzutreiben. Ich habe mich geärgert über jedes Foto welches ich nicht mit einer Sigma gemacht habe. Andere Kameras können auch schöne Fotos machen! Aber keine die so aussehen wie die der Sigma Serie DP. Aber wer nur für Internet oder kleine Ausdrucke unterwegs ist , für den lohnt nicht der Aufwand, man muß das schon lieben.

  13. Andreas

    Diesem Bericht ist quasi nichts hinzufügen! Ich bin mit der DP1s dem Foveon Sensor verfallen und leider fällt es mir nun schwer wieder davon loszukommen. Mittlerweile habe ich auch eine SD15.
    Der Schritt zurück in die Langsamkeit und das akzeptieren der Beschränktheit, hilft mir einen Blick für das Besondere zu entwickeln, das diese Kameras erfordern. Ich liebe die Überraschungen im „virtuellen Labor“ der Kamerasoftware, wenn Ungeahntes aus den Tiefen der Bildinformationen hervorbricht und diesen „Wow-Effekt“ auslöst, der nur im intensiven Kontakt mit dem Material erschlossen werden kann. Für mich eine Offenbarung.

  14. Lilo

    Es sind Berichte wie die obenstehenden, die mich überzeugt haben, die Dp2 Merrill anzuschaffen. Leider leider ist die Dp3 und dp1 Merrill nur schwer zu bekommen. EBay treibt die Preise … wie Kai oben schrieb, ist das Nachhausekommen und Bilder ansehen wie Weihnachten: Man wundert sich, wie schön die Wirklichkeit durch das Objektiv einer Sigma dp2 werden kann. Im Raw Format brauche ich kein Tele für Portraits – es ist ein Wunder, ein Zauber! Ich liebe diese Kamera – mehr braucht man nicht. (Außer der dp3 und als Sahnehäubchen die dp1 Merrill natürlich)

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