Neu eingetroffen: Die unglaubliche Leica M3

Sie ist nicht schön – sie ist überirdisch. Wer noch niemals eine alte Kamera für Kleinbildfilm in der Hand hatte, wird kaum ermessen können, auf welch niedrigem Niveau sich aktuelles Kameradesign – unabhängig vom Herstellernamen – bewegt. Es ist kaum zu glauben, aber der Höhepunkt feinmechanischer Kamerakunst erblickte im Jahr 1954 das Licht der Welt und wurde seitdem nicht übertroffen: die Leica M3.

leica_m3_01

Damit keine Missverständnisse aufkommen, stelle ich gleich mal klar, dass das hier fotografierte Exemplar aus dem Jahr 1955 stammt, also aus dem zweiten Produktionsjahr der M3. Und die Puristen unter den M3-Liebhabern und Leicanianern rümpfen wahrscheinlich die Nase darüber, wie man ausgerechnet ein modernes, profanes Planar aus dem Hause Zeiss an dieses Prachtstück schnallen kann, anstatt stilecht auf einem Summicron zu bestehen.

Aber gerade das ist der entscheidende Punkt. Die Leica M3 ist nicht einfach ein Stück Vergangenheit, sie ist zugleich zeitlos, und als solches verweigert sie sich auch der Moderne nicht. Wenn sie nicht so wahnwitzig elegant wäre, könnte man sie getrost als Fels in der Brandung bezeichnen. Trotz aller Innovationen, aller vermeintlichen Verbesserungen, allen technischen Fortschritts, ist die M3 mit Ihrer kühnen Verschmelzung von kompromissloser Funktionalität und verhaltener Schönheit auch heute noch so aktuell und präsent wie im Jahr 1954.

leica_m3_02

Wenn man versucht, ihre Vorzüge zu preisen, gerät man schnell ins Stocken, denn man muss feststellen, dass es eben nicht die Vielzahl ihrer Vorzüge ist, ihrer Features, wie man heute eher sagen würde, sondern die völlige Abwesenheit irgendeines Mangels, worauf die Legende gründet. Natürlich verfügt sie über den besten Messsucher aller Zeiten. Das Gefühl des Auslösens in Verbindung mit dem fast zarten Geräusch des Verschlusses verleiht dem fotografischen Moment, dem Akt des Fotografierens, eine ungeahnte Bedeutung. Der Filmtransport (bei diesem frühen Modell sogar noch mit Doppelzug) war niemals schonender und entschlossener zugleich. Doch solche aus heutiger Sicht zweifelhaften,  fast schon lächerlichen Vorzüge verblassen angesichts des Empfindens, dass einem nichts, absolut gar nichts fehlt, wenn man diese Kamera in der Hand hält.

leica_m3_04

Wer meint, eine digitale Leica M sei schön, sollte sie mit einer M3 vergleichen. Die Retrodesigns von Fuji, Olympus, neuerdings auch Nikon (mit der DF), sie alle reichen der optischen, haptischen und funktionalen Reinheit einer Leica M3 nicht das Wasser. Natürlich ist diese Ansicht sehr subjektiv gefärbt, aber darüber hinaus wage ich zu behaupten, dass keine digitale Kamera jemals eine Kamera fürs Leben sein könnte. Welche moderne Kamera würde in 60 Jahren noch funktionieren? Die M3 hat diese Spanne bereits hinter sich und funktioniert, als käme sie frisch aus der Manufaktur. Diese Erkenntnis strahlt eine Ruhe und Gelassenheit, einen regelrechten Frieden aus, die uns mit jedem neuen Kameramodell, das wieder mal schneller, einfacher und mit höherer Auflösung fotografiert, während wir bloß noch ohnmächtig am Gurt hängen wie der Hund an der Leine, mehr und mehr abhanden kommt.

leica_m3_03

Related posts

2 thoughts on “Neu eingetroffen: Die unglaubliche Leica M3

  1. Bei mir ist es vor knapp zwei Monaten eine M2 geworden, mittlerweile mit einem Planar 2/50 ausgerüstet. Ich liebe diese kleine Kamera einfach. Hätte nicht gedacht dass es so viel Spaß macht damit zu fotografieren.

  2. Einfach nach wie vor sehr „sexy“, die M3 in silber, leider im Sammlerzustand doch recht sehr teuer.

Leave a Comment